Man muss Donald Trump für diesen Coup fast dankbar sein, selbst wenn man ihn ansonsten für die Reinkarnation eines trunksüchtigen Jahrmarktsausrufers hält. Die Nachricht schlug im Washingtoner Pressekorps ein wie ein ungedeckter Leberhaken in der ersten Runde: Der designierte Herrscher über das Oval Office erwägt allen Ernstes, den Chef der Ultimate Fighting Championship, Dana White, zum offiziellen Pressesprecher des Weißen Hauses zu ernennen. Es ist die Vollendung der Politik als Zirkus maximus, die absolute ästhetische Konsequenz einer Epoche, die ohnehin jedes Schamgefühl im Abflussrohr der Aufmerksamkeitsökonomie versenkt hat. Wo bisher bleiche Bürokraten mit getönten Hornbrillen und einstudierten Phrasen über ressortübergreifende Konsultationen schwadronierten, soll künftig ein glatzköpfiger Kampfsport-Milliardär stehen, der sein Vermögen damit gemacht hat, durchtrainierte Fleischberge im Maschendrahtkäfig aufeinanderzuhetzen.
Die Vorstellung allein grenzt an therapeutische Katharsis. Seit Jahrzehnten inszeniert sich der James S. Brady Press Briefing Room als heiliggesprochene Kathedrale der westlichen Demokratietheorie, in der salbungsvolle Edelfedern der New York Times oder des Fernsehsenders CNN so tun, als stellten sie im Namen der aufgeklärten Menschheit weltbewegende Fragen. In Wahrheit war diese tägliche Zeremonie längst zu einer sterilen Scharade verkommen, einem zynischen Ritual wechselseitiger Bestätigung zwischen Parteisprechern und Hauptstadtjournalisten. Wie The Hill aus Washington berichtet, ist das Angebot an den UFC-Boss keineswegs nur eine flüchtige Laune vom Golfplatz in Mar-a-Lago, sondern Gegenstand ernsthafter Beratungen. Man stelle sich die Premiere vor: Anstelle diplomatischer Floskeln empfängt Dana White die versammelte Regierungsjournaille mit der gewohnten Herzlichkeit eines Boxpromoters, der unwilligen Athleten vor laufender Kamera zuruft, sie sollten gefälligst ihren Job machen oder die Koffer packen.
Wie tief der Schock im Establishment sitzt, zeigt die schiere Hysterie, die sich nun über den Atlantik ergießt. Auch Al Jazeera meldet, dass White bereits ein persönliches Treffen mit dem Präsidenten anberaumt hat, um die Rahmenbedingungen für diese bizarre Personalie abzustecken. Die Reaktionen der etablierten Medienhäuser schwanken zwischen pikiertem Entsetzen und theatralischer Schnappatmung. Man sorgt sich scheinheilig um die Würde des Amtes, als hätte dieses Amt in den vergangenen Jahren nicht ohnehin jede Restwürde bei den täglichen Verbiegungen für senile Präsidenten und kriegstreiberische Apparatschiks eingebüßt. Dana White versteht wenig von völkerrechtlichen Nuancen, aber er versteht alles von Einschaltquoten, Straßenkämpfen und dem instinktiven Gestank von Schwäche. Wenn ein Korrespondent künftig eine zehnminütige moralinsaure Einleitung für eine substanzlose Frage wählt, wird kein Pressesprecher mehr devot nicken. Ein trockenes „Niemand kauft dein Geschwätz, setz dich hin!“ dürfte genügen, um die Illusion journalistischer Unantastbarkeit zu zertrümmern.
Besonders köstlich ist dabei das Wehklagen der hiesigen Hofberichterstatter in den Funkhäusern von ARD, ZDF und den überregionalen Qualitätsblättern. Dieselben Edelfedern, die acht Jahre lang jede gestammelte Belanglosigkeit einer Karine Jean-Pierre zur staatsmännischen Meisterleistung verklärten und jede außenpolitische Katastrophe Washingtons als humanitäre Wohltat verkauften, vergießen nun Krokodilstränen über den Niedergang der politischen Kultur. Man empört sich über den „Radaubrüder-Stil“, während man selbst seit Jahren als willfähriger Lautsprecher für ministerielle PR-Abteilungen fungiert. Die deutschen Edelschreiber haben den Kontakt zum realen Leben längst gegen ein Dauerabonnement im rot-grünen Salon eingetauscht; für sie ist Politik ein Seminar über gendergerechte Sprache und korrekte Gesinnungsprüfung. Dass nun ein Mann die Bühne betritt, der Streit nicht im Schiedsgericht, sondern durch K.o.-Schläge beilegt, empfinden diese Salonlöwen als persönliche Beleidigung. Ihre Heuchelei stinkt zum Himmel: Man beklagt die Verrohung der Sprache, hat aber kein Problem damit, Andersdenkende im eigenen Land als Staatsfeinde zu brandmarken.
Trumps Schachzug offenbart eine schmutzige Wahrheit, die das mediale Kartell um jeden Preis verbergen wollte: Der Kaiser war nie angezogen, er trug lediglich ein schlecht sitzendes Mikrofon. Die liberale Öffentlichkeit klammert sich an Umgangsformen, weil Formen das Einzige sind, was ihr nach dem Verlust jeder inhaltlichen Glaubwürdigkeit noch geblieben ist. Wenn die Bürger an den Zapfsäulen verzweifeln, die Reallöhne schmelzen und die Infrastruktur zerfällt, verlangt das Publikum keine geschliffenen Lügen im Passiv, sondern Klartext. White ist die personifizierte Antithese zum woken Moralkomplex. Er verkörpert jenen ungehobelten, testosterongetränkten Pragmatismus, den die urbane Nomenklatur zutiefst verabscheut, weil sie ihn weder kontrollieren noch mit den üblichen Zensurmechanismen mundtot machen kann.
Die Dynamik der Pressekonferenzen würde sich über Nacht radikal verändern. Man stelle sich vor, der Pressesprecher verteilt am Ende des Monats Boni für den aggressivsten Fragesteller und schickt wehleidige Journalisten wegen Passivität auf die Ersatzbank. Statt feiger Hintergrundgespräche gäbe es offene Konfrontation auf offener Bühne, pay-per-view-tauglich und ohne doppelten Boden. Natürlich ist das Vulgärpopulismus in Reinkultur, ein groteskes Schauspiel für die Massen. Aber es besitzt eine brutale Ehrlichkeit, die den herkömmlichen Presse-Verlautbarungen vollkommen abgeht. Das Publikum weiß endlich wieder, woran es ist: Die Maskerade ist vorbei, die Arena ist eröffnet.
Die Washingtoner Presseelite wollte stets als vierte Gewalt gefeiert werden, als unerbittlicher Wachhund der Verfassung. In Wahrheit haben sich die Leitmedien längst in Schoßhunde verwandelt, die nur noch dann bellen, wenn das Herrchen es ihnen ausdrücklich befiehlt. Trumps Angebot an Dana White ist der ultimative Tritt gegen die Hundehütte. Man hat den Journalisten den bequemen Teppich unter den Füßen weggezogen und ihnen einen Sparringspartner vor die Nase gesetzt, der keine Gnade kennt. Sollte White tatsächlich das Pult im Westflügel erklimmen, verliert das System seine letzte zivilisatorische Schminke. Es wird laut, vulgär und schmerzhaft werden – aber zum ersten Mal seit vielen Jahren wird die Wahrheit über den Zustand dieser Republik nicht mehr in gestelzten Phrasen erstickt, sondern mit bloßen Fäusten auf den Tisch gehauen.


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