Man muss den bundesdeutschen Gesinnungsbeamten in den Funkhäusern von ARD und ZDF eines neidlos zugestehen: Ihre sprachliche Akrobatik besitzt mittlerweile weltmeisterliches Niveau. Wo der unbedarfte Bürger auf nächtlichen Straßen brennende Müllcontainer, zerborstene Schaufenster, demolierte Streifenwagen und fliegende Pflastersteine erblickt, sieht der gebührenfinanzierte Haltungsjournalist vor allem eines: ein zutiefst missverstandenes soziokulturelles Phänomen. Wenn marodierende Banden Innenstädte in Brand setzen, darf das Wort Kriminalität keinesfalls ungestraft die Lippen eines Moderators verlassen. Stattdessen wird in den Redaktionsstuben sofort der Weichspüler angeworfen, bis aus blindem Vandalismus eine bedauernswerte Entgleisung sensibler Gemüter wird. Es ist das ewige Mantra einer infantilen Medienklasse, die jede noch so rohe Gewalttat unverzüglich in Watte packt, um das eigene linksbürgerliche Weltbild vor dem zersetzenden Kontakt mit der Wirklichkeit zu bewahren.
Den vorläufigen Höhepunkt dieses semantischen Slapsticks lieferte jüngst der Hessische Rundfunk, als es darum ging, die wüsten Szenen Frankfurter Krawallnächte einzuordnen. Wie Apollo News über das Frankfurter Chaos berichtet, schwadronierte eine Redakteurin allen Ernstes von „erlebnisorientierten jungen Menschen“, die da durch die Straßen zögen. Man muss sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen lassen. Wer Polizisten mit Pyrotechnik beschießt und Juwelierläden ausräumt, ist also kein Gewalttäter, sondern schlicht auf der Suche nach einem intensiven Freizeiterlebnis. Nach dieser Logik war der Sturm auf die Bastille wohl eine historische Stadtführung für historisch Interessierte und die Plünderung Roms durch die Vandalen eine rustikale Form des Erlebnistourismus. Es ist diese feige, verlogene Sprachhygiene, mit der unsere moralische Vorhut die Kapitulation des Rechtsstaates in eine hippe Jugendsubkultur umdichtet.
Doch damit nicht genug des therapeutischen Unsinns, denn die Erklärungsnot im Senderkollektiv gebiert noch weit kühnere Blüten. Wenn die sprachliche Kosmetik allein nicht mehr fruchtet, muss die Universal-Ausrede des Jahrzehnts herhalten: das Corona-Virus. Wie NIUS über den haarsträubenden TV-Auftritt dokumentiert, bemühte eine ARD-Expertin tatsächlich die verordnete Pandemie-Isolation der vergangenen Jahre, um die aktuellen Ausschreitungen der Generation Z zu entschuldigen. Die armen Heranwachsenden hätten schließlich so lange auf Partys verzichten müssen, dass ihnen nun quasi gar keine andere Wahl bleibe, als Barrikaden anzuzünden und Ordnungshüter krankenhausreif zu schlagen. Man wirft Steine, weil vor fünf Jahren die Schulen geschlossen waren – das ist die intellektuelle Bankrotterklärung einer Publizistik, die Ursache und Wirkung so lange verdreht, bis der Täter als das eigentliche Opfer erstrahlt.
Hier zeigt sich die ganze Verlogenheit der medialen Hofberichterstattung, die das eigene Publikum für vollkommen debil hält. Dieselben Journalisten, die vor wenigen Jahren Spaziergänger mit Kerzen in der Hand zu Staatsfeinden erklärten und Bürgern ohne Maske die Existenzberechtigung absprachen, entdecken plötzlich ihr grenzenloses Herz für gewalttätige Randalierer. Wenn Rentner auf Marktplätzen demonstrieren, wittert die „Tagesschau“ den sofortigen Untergang der Demokratie; wenn jedoch vermummte Schläger das Monopol staatlicher Gewalt zertrümmern, nicken dieselben Kommentatoren verständnisvoll und diagnostizieren kollektiven Bewegungsmangel. Diese Hofschranzen der Political Correctness verwalten keine Nachrichten, sie betreiben psychologische Schadensbegrenzung für eine Politik, deren Kontrollverlust mit Händen zu greifen ist. Nichts darf benannt, nichts beim Namen genannt werden, solange es das Dogma der bunten Glückseligkeit stören könnte.
In den Chefetagen von Politik und Medien herrscht pure Panik vor der Erkenntnis, dass hier keine hehren Ideale für eine bessere Welt brennen, sondern purer Nihilismus. Die viel beschworene „Gen Z“ demonstriert nicht für das Klima oder soziale Gerechtigkeit, wenn sie Schaufenster eintritt; sie feiert schlicht die Abwesenheit von Konsequenzen in einem Staat, der sich selbst entkernt hat. Wenn Politiker im Berliner Regierungsviertel und Ministerien bei jeder Attacke reflexhaft vor „Stigmatisierung“ warnen, statt den Rechtsstaat durchzusetzen, ist das eine offene Einladung zur nächsten Eskalation. Wer Gewaltexzesse zur bloßen Eventkultur herabstuft, signalisiert der Straße unmissverständlich, dass das Gewaltmonopol längst zur Disposition steht. Der Staat zieht sich zurück, und die journalistische Begleitmusik spielt dazu einen beruhigenden Walzer der Verharmlosung.
Diese Wohlfühl-Diktion ist keine bloße Geschmacklosigkeit, sie ist hochgradig gefährlich für das gesellschaftliche Fundament. Sie vergiftet das Vertrauen der Bürger, die jeden Monat brav ihre Zwangsgebühren überweisen, um sich dann zur besten Sendezeit erklären zu lassen, dass das Abbrennen ihres Familienwagens lediglich ein Ausfluss postpandemischer Frustration gewesen sei. Wer die Zerstörung des öffentlichen Friedens mit soziologischem Kauderwelsch bemäntelt, macht sich mit den Tätern gemein und verhöhnt jene Polizisten und Feuerwehrleute, die ihren Kopf für eine feige Republik hinhalten müssen. Man möchte den Herrschaften in ihren schallgedämpften Studios zurufen: Geht doch einmal selbst hinaus in diese erlebnisorientierten Nächte, ganz ohne Personenschutz und Dienstwagen. Vielleicht dämmert dann selbst dem abgebrühtesten Moralapostel, dass ein Pflasterstein kein therapeutisches Gesprächsangebot ist, sondern der nackte Wille zur Zerstörung.


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