Man muss den Herrschaften im Pentagon eines lassen: An praktischer Menschenfeindlichkeit hat es den transatlantischen Generalstäben noch nie gemangelt. Während man dem braven europäischen Bürger tagein, tagaus einredet, er müsse für die Freiheit frieren, seine Gastherme verschrotten und brav die nächste Teuerungswelle schlucken, basteln die Militärbürokraten in Arlington längst an der ganz großen Endzeitkulisse. Das Kind hat freilich auch schon einen herrlich martialischen Namen bekommen: „FORTRESS“. Dahinter verbirgt sich kein Computerspiel für gelangweilte Teenager, sondern ein handfester Erlass des US-Verteidigungsministeriums, der sämtliche militärische Großstützpunkte der Vereinigten Staaten darauf drillt, einen weltweiten Waffengang mindestens neunzig Tage lang völlig autark – also ohne jeglichen Kontakt zur zivilen Strom- und Wasserversorgung oder Nahrungsmittelketten – durchzustehen. Da schau her. Wenn der Kontinent brennt und das zivile Netz in die ewigen Jagdgründe eingeht, sitzen die Herren Offiziere im warmen atomaren Eigenheim, während draußen die europäische Bevölkerung im Dunkeln verglüht.

Wie brisant dieser zynische Bunkerwahn tatsächlich gestrickt ist, enthüllt ein detaillierter Bericht von Fox News über das milliardenschwere Überlebensprogramm der US-Streitkräfte. Die Vorgabe ist von entwaffnender Kälte: Jede strategische Militärbasis rund um den Globus – und man darf dreimal raten, wo die meisten davon stationiert sind, gewiss nicht in der friedlichen Südsee, sondern mitten im dicht besiedelten Herzen Europas – muss eigene Mikro-Atomreaktoren, riesige Dieseldepots und autarke Brunnen vorhalten, um drei Monate lang ununterbrochen Marschflugkörper und Bomberstaffeln in den Himmel jagen zu können, völlig isoliert von der zusammenbrechenden Außenwelt. Man plant den globalen Krieg also nicht mehr als fernes Schreckensszenario, man hat ihn haushaltstechnisch bereits inventarisiert. Der zivile Kollaps der Verbündeten wird als unweigerliche Begleiterscheinung kühl eingepreist. Dass Ramstein, Aviano oder die Drehkreuze in Polen im Ernstfall als primäre Zielkoordinaten atomarer Gegenschläge fungieren, ficht im fernen Washington niemanden an. Hauptsache, die eigene Befehlskette schlägt noch aus dem Bunkerfunkschatten zu, wenn die europäischen Metropolen längst im Trümmerfeld ersticken.

Und was treibt die Brüsseler Nomenklatur angesichts dieser apokalyptischen Vorbereitungen ihres vermeintlichen Schutzpatrons? Man duckt sich weg, faltet die Hände und betreibt mit einer servilen Hofrats-Mentalität den vollkommenen Unterwerfungsvollzug. Ursula von der Leyen und ihr personell aufgeblasenes Kommissions-Politbüro haben die Europäische Union in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt von einer einstigen Wirtschaftsgemeinschaft in die logistische Hilfstruppe des NATO-Hauptquartiers transformiert. Jeder Cent, der in den Mitgliedsländern nicht rechtzeitig vor dem Zugriff der Brüsseler Umverteilungsmaschinerie gerettet wird, wandert in panzerfeste Autobahnbrücken, Munitionsbeschaffungsfonds und Sanktionspakete, die unserer eigenen Industrie das Rückgrat brechen. Man geniert sich in den Berlaymont-Fluren nicht einmal mehr dafür, dass man die europäischen Bürger sehenden Auges in die Verelendung treibt, solange der Applaus aus dem Weißen Haus und den Denkfabriken der US-Rüstungsindustrie nicht abreißt. Es ist diese unvergleichliche Wiener Schmierenkomödie: Man nennt es „strategische Autonomie“, meint aber die bedingungslose Selbstaufgabe zugunsten einer transatlantischen Eskalationsspirale, deren Zündschnur längst glimmt.

Dabei wird der gesamte militärische Aufrüstungswahn mit einer Bedrohungskulisse gerechtfertigt, die bei nüchterner ökonomischer Betrachtung schlichtweg in sich zusammenfällt. Wie der renommierte Publizist und frühere Reagan-Chefökonom David Stockman in einer messerscharfen Analyse auf Antiwar.com darlegt, entbehrt das Mantra einer existenziellen Bedrohung durch Moskau jeglicher materiellen Grundlage. Russlands Bruttoinlandsprodukt verblasst im Vergleich zur geballten Wirtschaftskraft des Westens, und die Vorstellung, der Kreml plane nach den Abnutzungskämpfen im Donbass den Durchmarsch bis an den Rhein oder gar einen Angriff auf das amerikanische Festland, grenzt an vollkommenen Realitätsverlust. Doch genau diese Hysterie ist das Lebenselixier des Washingtoner Sicherheitsapparats. Man benötigt das Gespenst an der Wand, um Abermilliarden an Steuergeldern in Hochtechnologie-Bunker und Raketenarsenale zu pumpen, während die reale Infrastruktur der westlichen Gesellschaften verrottet. Für Europa ist dieses Spiel allerdings kein theoretisches Planspiel mehr, sondern eine wirtschaftliche und physische Existenzfrage.

Man schaue sich nur an, wer für diese transatlantische Vasallentreue die Zeche zahlt. Die europäischen Energiepreise ruinieren den heimischen Mittelstand, Automobilbauer streichen zehntausende Arbeitsplätze, Chemiekonzerne wandern nach Übersee ab, und das Haushaltsdefizit frisst die Wohlstandsreste ganzer Generationen auf. Aber der Befehl aus Übersee lautet: Aufrüsten bis zum Staatsbankrott. Österreichs ehedem stolze Neutralität wird von den heimischen Systempolitikern scheibchenweise auf dem Altar der westlichen Einheitsdoktrin geschlachtet, als wäre die Verfassung bloß eine lästige Fußnote. Man schwafelt von „Solidarität“, während das Pentagon mit FORTRESS unmissverständlich klarstellt, wie diese Solidarität in der Praxis aussieht: Amerika baut sich autarke Burgen für den Tag des Jüngsten Gerichts, und Europa liefert die geographische Knautschzone. Es gehört schon eine bemerkenswerte Chuzpe dazu, diese blanke Verheizungsstrategie den Völkern unseres Kontinents als sicherheitspolitische Fürsorge verkaufen zu wollen.

Die Verlogenheit erreicht ihren Höhepunkt, wenn die Brüsseler Eurokraten bei jeder Gelegenheit vor Cyber-Angriffen und Stromausfällen warnen, gleichzeitig aber genau jene Provokationspolitik forcieren, die solche Katastrophen erst heraufbeschwört. Wer unentwegt Öl in die geopolitischen Konfliktherde gießt, Raketenstationierungen an die Grenzen schiebt und friedliche Verhandlungen wie Teufelszeug behandelt, darf sich nicht wundern, wenn die Lichter ausgehen. Doch während der normale Familienvater im Winter frieren soll, weil das zivile Stromnetz zusammenbricht, simuliert das Pentagon im Rahmen von FORTRESS ungerührt den Weiterbetrieb seiner Kommandozentralen. Das ist keine Verteidigungspolitik mehr; das ist der organisierte Überlebensinstinkt einer militärisch-industriellen Kaste, die sich längst von den Gesellschaften entkoppelt hat, deren Schutz sie angeblich garantiert. Karl Kraus hätte seine helle Freude an diesem Treiben gehabt: Die letzten Tage der Menschheit werden heute nicht mehr im Schützengraben mit Hurra begonnen, sondern im klimatisierten Pentagon-Bunker mit dem Vermerk „streng vertraulich“ und dreimonatiger Notstromgarantie abgeheftet.

Es wird Zeit, den Herren in Übersee und ihren willfährigen Statthaltern in Brüssel den Spiegel vorzuhalten. Europa braucht keine autarken US-Militärfestungen, die auf unserem Boden den Ernstfall proben, sondern Souveränität, Deeskalation und den sofortigen Stopp dieser kriegerischen Amokfahrt. Wer sich von Washington in einen 90-Tage-Weltkrieg hineinmanövrieren lässt, bei dem für die Zivilbevölkerung von vornherein kein Platz im Schutzraum reserviert ist, betreibt keine Außenpolitik, sondern kollektiven Selbstmord auf Raten. Wenn die europäischen Hauptstädte nicht schleunigst den Kadavergehorsam verweigern und die transatlantische Eskalationsmaschinerie stoppen, werden die Bunker des Pentagons das Einzige sein, was von dieser westlichen Allianz am Ende noch übrigbleibt.