Es ist mal wieder an der Zeit für die ganz großen Zahlen, für jene wohlklingenden Milliardenbeträge, die in den heiligen Hallen internationaler Konferenzen so leicht über die Zunge gleiten wie Champagner auf dem Empfang. Wie die Nachrichtenagentur n-tv berichtet, hat der von den Vereinigten Staaten gelenkte Friedensrat nun offiziell seinen Masterplan für den partiellen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens vorgelegt. Im prunkvollen Rahmen am Rande der UN-Vollversammlung in New York rief kein Geringerer als Jared Kushner zu Spenden auf, um das architektonische Elend der Region in ein modernes Investitionsparadies zu verwandeln. Man mag sich unwillkürlich fragen, ob die beteiligten Strategen eigentlich selbst glauben, was sie da auf Hochglanzpapier drucken lassen, oder ob es sich schlicht um die neueste Inszenierung im Dauertheater der Weltpolitik handelt.

Die Dimensionen sind gewaltig und zeugen von einer gewissen humorlosen Chuzpe, die man den Architekten dieses Projekts schlicht nicht absprechen kann. Von schlanken 2,45 Milliarden US-Dollar ist die Rede, wie auch ein Bericht der BBC unterstreicht. Man plant Beton, Stahl und Glas für eine Region, deren politische Fundamente seit Jahrzehnten auf hochexplosivem Sand gebaut sind. Während die lokalen Akteure und Milizen ihre ganz eigene Agenda verfolgen, träumen westliche Berater von schlüsselfertigen Wohnanlagen und Logistikzentren am Mittelmeer. Es ist das ewige Spiel der Technokraten, die glauben, man könne jedes historische Trauma einfach mit einer ordentlichen Schicht Zement und ein paar Excel-Tabellen zuschütten.

Natürlich stehen die hiesigen Hofberichterstatter der sogenannten Qualitätspresse stramm, um dieses monumentale Vorhaben mit einer pathetischen Hingabe zu begleizieren, die jeden Werbeprofessor vor Neid erblassen ließe. Da wird in den öffentlich-rechtlichen Anstalten und den vermeintlich elitären Leitmedien mit einer Inbrunst von der historischen Chance gefasst, als ginge es um die Neueröffnung des Berliner Flughafens, nur eben mit ein paar mehr Sprengkörpern im Hintergrund. Kritik? Ach wo, wer will schon die gute Stimmung trüben, wenn die Spendenkasse klingelt und die PR-Agenturen im Westflügel im Minutentakt neue Powerpoint-Folien über die gerechte Zukunft des Nahen Ostens in die Redaktionsstuben pumpen. Da wird die bittere Realität vor Ort so lange weichgebügelt, bis selbst der graueste Schutt im Glanz des diplomatischen Wunschdenkens erstrahlt.

Man muss sich schon die Augen reiben angesichts dieser Realitätsverweigerung, die in den Chefetagen der westlichen Außenministerien als staatstragende Weisheit verkauft wird. Während die Menschen vor Ort jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen, philosophieren hochbezahlte Stiftungsdirektoren über grüne Energien im Küstenstreifen und nachhaltige Stadtentwicklung. Es ist die pure Realsatire, dargeboten von jenen, die noch nie im Leben einen Fuß in ein Trümmerfeld gesetzt haben, es sei denn, das Catering stimmte und die Leibwache stand im Halbkreis um den edlen SUV. Die Hybris des Westens kennt eben keine geografischen Grenzen, solange sich das eigene Gewissen mit ein paar wohlklingenden Absichtserklärungen beruhigen lässt.

Am Ende bleibt die schale Erkenntnis, dass hier nicht etwa Frieden gestiftet, sondern vor allem die eigene Untätigkeit der vergangenen Jahre mit frischem Geld übertüncht werden soll. Jeder Beteiligte weiß, dass die fragile Architektur dieses Plans beim ersten ernsthaften Schuss in sich zusammenfallen wird wie ein Kartenhaus aus unbezahlten Rechnungen. Doch wen schert die Zukunft, wenn die mediale Inszenierung für den heutigen Tag perfekt sitzt. So dreht sich das Karussell der Illusionen weiter, und die Zeche für den Beton-Wahn zahlen wie immer jene, die am Ende nicht einmal gefragt werden, ob sie überhaupt eine Tiefgarage brauchen.