Man muss die Dinge gelegentlich mit jener stoischen Gelassenheit betrachten, die man im Wiener Kaffeehaus bei einer Melange und einem Glaserl Leitungswasser kultiviert, um den schieren Irrsinn des nördlichen Nachbarn überhaupt noch zu ertragen. Seit der feierlich ausgerufenen Zeitenwende überbieten sich die Akteure im Berliner Kanzleramt und im Bundesverteidigungsministerium an preußischem Säbelrasseln, als gelte es, das Erbe von Clausewitz im Eiltempo auf europäischem Boden wiederzubeleben. Da wird von Kriegstüchtigkeit schwadroniert, als sei das Sterben auf dem Schlachtfeld wieder zur höchsten staatsbürgerlichen Tugend erhoben worden, während Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe durch die Parlamente gepeitscht werden. Doch wenn man hinter die Kulissen dieser ohrenbetäubenden Militarisierungs-Schmierenkomödie blickt, bleibt von der martialischen Pose nicht einmal der Lack auf den Panzern übrig. Was sich den europäischen Steuerzahlern dieser Tage offenbart, ist keine wehrhafte Bastion, sondern ein bürokratischer Schrottplatz, auf dem Milliarden verbrannt werden, um potemkinsche Dörfer in Tarnfarben zu errichten.

Das jüngste Meisterstück dieser beispiellosen Steuergeldvernichtung liefert der Beschaffungsapparat unter Boris Pistorius höchstpersönlich ab. Da wurden für Unsummen insgesamt zweiundsechzig Exemplare des leichten Kampfhubschraubers H145M beim europäischen Rüstungsgiganten Airbus bestellt, um den maroden Fuhrpark der Bundeswehr endlich auf NATO-Standard zu hieven. Doch wie ein Bericht von Report24 enthüllt, glänzen die neuen Vorzeige-Helikopter vor allem durch ein gravierendes Detail: Sie können schlichtweg nicht schießen. Die Maschinen kommen nicht nur mit massiver Verspätung in die Hangars gerollt, sondern verfügen ab Werk über keinerlei funktionierende Waffenintegration. Ein Kampfhubschrauber, der im Ernstfall außer einem gepflegten Brummton am Himmel keine militärische Wirkung entfalten kann, ist freilich die perfekte Metapher für den Zustand der deutschen Verteidigungspolitik. Man kauft zivile Mehrzweckhubschrauber, klebt das Etikett einer tödlichen Waffe darauf und hofft inständig, der geopolitische Gegner möge sich vor lauter Ehrfurcht vor dem Anschaffungspreis kampflos ergeben.

In jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen würde ein derartiger Schildbürgerstreich zur fristlosen Kündigung der gesamten Einkaufsabteilung führen. Nicht so in der bundesdeutschen Politikblase und schon gar nicht im Brüsseler EU-Politbüro, wo das Versagen von gestern stets die Legitimation für die noch gigantischere Fehlallokation von morgen darstellt. Anstatt sich in Grund und Boden zu schämen, drehen die Hofräte der Transatlantik-Fraktion die Lautstärke erst recht auf. Wie die Zeitung Welt über den jüngsten Vorstoß berichtet, fordert Grünen-Chefin Franziska Brantner unverfroren eine zentrale europäische Verteidigungsunion. Ihr Argument strotzt vor politischer Chuzpe: Nationale Alleingänge seien ineffizient und unzureichend, weshalb man die Rüstungsmilliarden künftig bitteschön direkt über Brüsseler Kanäle verteilen müsse – notfalls sogar an den widerborstigen siebenundzwanzig EU-Mitgliedstaaten vorbei. Da schau her: Wenn Berlin es nicht einmal schafft, funktionsfähige Hubschrauber bei Airbus zu ordern, soll Ursula von der Leyens Kommission das Kommando über die gesamteuropäische Kriegsmaschinerie übernehmen.

Man muss sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen. Dieselben Polit-Kommissare, die mit ihrem Regulierungs-Totalitarismus die europäische Industrie strangulieren, die mit einem suizidalen Sanktionskurs die Energiepreise in astronomische Höhen getrieben haben und deren bürokratischer Wasserkopf noch kein einziges ziviles Problem gelöst hat, wollen nun zur obersten Heeresleitung mutieren. Was Brantner und das Brüsseler Machtkartell als geopolitische Reife anpreisen, ist in Wahrheit die finale Entmachtung der nationalen Parlamente über ihre eigenen Verteidigungsbudgets. Es ist der Versuch, einen militärisch-industriellen Komplex nach US-Vorbild auf europäischem Boden zu zementieren, der völlig losgelöst von demokratischer Kontrolle mit Blankoschecks gefüttert wird. Wer die Hofrats-Mentalität in den EU-Amtsstuben kennt, weiß genau, was eine zentralisierte Brüsseler Verteidigungsunion bedeutet: Milliardenflüsse in Richtung bevorzugter Rüstungskonzerne, während an der Front nur zahnlose Attrappen ankommen, deren Softwareprotokolle noch im Ausschuss für Gleichstellung und Diversität abgestimmt werden müssen.

Dieser Aufrüstungswahn ist kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck eines blinden Kadavergehorsams gegenüber den Vorgaben aus Washington. Die NATO-Strategen diktieren den europäischen Regierungen ruinöse Ausgabenquoten, während die transatlantische Eskalationsmaschinerie den Kontinent immer tiefer in einen permanenten Zermürbungskrieg treibt. Anstatt auf diplomatische Vernunft, Deeskalation und eine eigenständige europäische Sicherheitsarchitektur zu setzen, unterwirft sich die politische Klasse in Berlin und Paris bedingungslos dem Diktat des Pentagon. Man opfert die wirtschaftliche Substanz ganzer Nationen auf dem Altar einer Konfrontationspolitik, die Europa zum Aufmarschgebiet und potentiellen Schlachtfeld degradiert. Dass die europäischen Bürger die Zeche für diesen imperialen Wahnwitz zahlen – durch zerfallende Infrastruktur, marode Bildungssysteme, explodierende Lebenshaltungskosten und die schleichende Entwertung ihrer Ersparnisse –, schert die Herrschaften in ihren gepanzerten Limousinen freilich nicht im Geringsten.

Aus österreichischer Perspektive betrachtet man dieses Treiben mit jenem rabenschwarzen Zynismus, der den Schriften eines Karl Kraus oder den Monologen eines Helmut Qualtinger alle Ehre machen würde. Die Wiener Systempolitik schielt derweil mit feuchten Augen nach Brüssel und demontiert die verfassungsmäßige Neutralität des Landes scheibchenweise bei jeder sich bietenden Gelegenheit, um am Katzentisch der europäischen Militärstrategen mitzusitzen. Man geniert sich keineswegs dafür, dem Volk die Preisgabe des Neutralitätsstatus als moderne Sicherheitsvorsorge zu verkaufen. Doch wer Sicherheit mit der Unterwerfung unter das Brüsseler Rüstungskartell verwechselt, der glaubt auch, dass ein wehrloser Airbus-Helikopter eine gegnerische Flugabwehrrakete mit gutem Zureden abfängt. Die Illusion, ein supranationales Bürokratiemonster könne Europa vor den Konsequenzen seiner eigenen geopolitischen Brandstiftung schützen, bricht an der harten Realität der Tatsachen krachend zusammen.

Das traurige Fazit dieses militaristischen Budenzaubers lässt sich nicht länger mit PR-Floskeln über die europäische Souveränität kaschieren. Pistorius’ wehrlose Hubschrauber und Brantners Rufe nach einer zentralistischen EU-Kriegskasse gehören untrennbar zusammen des politischen Bankrotts. Man rüstet nicht auf, um die Bürger zu schützen, sondern um das monumentale Scheitern einer gescheiterten Außen- und Wirtschaftspolitik hinter ohrenbetäubendem Donnerhall zu verstecken. Es ist die Flucht nach vorn einer Nomenklatura, die ihre eigene Bevölkerung für dumm verkauft und Milliarden für Waffen verpulvert, die nicht einmal die rudimentärsten militärischen Mindestanforderungen erfüllen. Wenn der Pulverdampf dieser Zeitenwende-Illusion verzieht, bleibt kein strahlendes Bollwerk der Freiheit zurück, sondern ein sündteurer, flugunfähiger Schrotthaufen auf Kosten der kommenden Generationen.