Man muss den Brüsseler Eurokraten eines lassen: Wenn es darum geht, das eigene monumentale Scheitern in heroische Durchhalteparolen umzudeuten, erreicht die Chuzpe am Schuman-Rondell olympisches Niveau. Da sitzt eine ungewählte EU-Kommission auf den Trümmern einer selbstmörderischen Sanktionspolitik, hat die einstmals stolze europäische Industrie in die Knie gezwungen, das Bargeld schrittweise stranguliert und den Kontinent in eine fatale Energiearmut manövriert – und was fällt den Hofräten im Berlaymont-Palast als rettende Zukunftsinitiative ein? Sie empfehlen dem braven Bürger allen Ernstes, sich gefälligst für mindestens 72 Stunden mit Zwieback, Streichhölzern und Taschenlampen im Keller zu verschanzen. Wie Transition News detailliert berichtet, zielt der offizielle Brüsseler Krisenleitfaden darauf ab, die Bevölkerung in eine permanente psychologische Schockstarre zu versetzen und den zivilen Ausnahmezustand als gesellschaftliche Normalität zu etablieren. Was früher der Wiener Gemeindebau-Spießer belächelte, wenn verschrobene Weltuntergangs-Prepper Dosengulasch horteten, wird nun von Ursula von der Leyen zum patriotischen Bürgerpflichtprogramm erhoben. Man geniert sich halt für gar nichts mehr.

Diese zynische Schmierenkomödie hat System. Indem man den Bürgern von Lissabon bis Wien einredet, der Russe stehe quasi übermorgen im Vorgarten und werde höchstpersönlich das heimische WLAN kappen, lenkt man meisterhaft von der hausgemachten Misere ab. Die verheerende Deindustrialisierung, die explodierenden Energiekosten und der schleichende Wohlstandsverlust sind nämlich keine Schicksalsschläge oder unvermeidbare Naturkatastrophen, sondern das direkte Produkt jener Brüsseler Planwirtschaft, die Ideologie über Ökonomie gestellt hat. Anstatt kleinlaut einzugestehen, dass der transatlantische Sanktionswahn primär die eigene Wirtschaft erdrosselt hat, flüchtet sich der Brüsseler Apparat in eine kollektive Mobilmachungs-Psychose. Wer friert, hungert oder vor den Trümmern seiner Existenz steht, soll gefälligst nicht auf die Barrikaden steigen, sondern strammstehen und Dosenravioli löffeln. Der permanente Angstmodus dient als ultimativer Klebstoff für eine zerfallende Union, die außer Verboten, Zensurgesetzen und Aufrüstungsphantasien nichts mehr anzubieten hat.

Parallel dazu läuft die transatlantische Eskalationsmaschinerie auf Hochtouren, um auch den letzten Funken diplomatischer Vernunft im Pulverdampf zu ersticken. Während die Brüsseler Nomenklatura den Bürgern das Horten von Trinkwasser predigt, feiert die NATO an der Ostflanke fröhliche Urständ und verlegt immer mehr Truppenkontingente direkt an die russische Grenze. In einem bezeichnenden Interview mit der Welt jubelte Litauens Staatschef Gitanas Nauseda ganz offen darüber, dass deutsche und amerikanische Truppen auf litauischem Boden für ihn der denkbar beste Zustand seien. Da schau her: Deutsche Soldaten stehen wieder dauerhaft an der Grenze im Osten, und die baltischen Hardliner fordern im Chor mit dem Brüsseler Politbüro noch mehr Panzer, noch mehr Milliarden und noch mehr Eskalation. Dass Washington dabei seit Jahrzehnten die geopolitischen Strippen zieht und die europäischen Hauptstädte wie willenlose Statisten über das Schachbrett schiebt, stört in den klimatisierten Salons der EU-Elite freilich niemanden. Hauptsache, der Kadavergehorsam gegenüber dem Pentagon funktioniert reibungslos.

Der blanke Hohn an dieser Entwicklung liegt in der ökonomischen Selbstzerstörung, die dieser bellizistische Rausch nach sich zieht. Hunderttausende Industriearbeitsplätze in Deutschland, Österreich und Frankreich lösen sich gerade in Wohlgefallen auf, Traditionsunternehmen schließen ihre Werkstore für immer, und die Mittelschicht sieht ihrem sozialen Abstieg tatenlos zu. Gleichzeitig pumpt die Brüsseler Führungsriege ungeniert dreistellige Milliardenbeträge in ein osteuropäisches Fass ohne Boden und in US-amerikanische Rüstungskonzerne, deren Aktionäre sich vor Lachen kaum mehr einkriegen. Für marode Brücken, überlastete Schulen oder die Pflege der eigenen Alten ist in den nationalen Kassen kein Cent mehr übrig, aber für den nächsten transatlantischen Aufrüstungsschub öffnet die Europäische Kommission willfährig die Schleusen einer beispiellosen Neuverschuldung. Man muss diese Chuzpe erst einmal besitzen: Den eigenen Steuerzahlern das Geld aus der Tasche ziehen, um die eigene Zerstörung zu finanzieren – und ihnen anschließend zu raten, ein paar Batterien auf Vorrat zu kaufen.

Besonders perfide ist dabei der moralische Totalitarismus, mit dem jede abweichende Meinung sofort im Keim erstickt wird. Wer es wagt, diese suizidale Politik zu hinterfragen, wer auf Verhandlungen drängt oder daran erinnert, dass Geopolitik auf Interessenausgleich und nicht auf blindem Bellizismus beruht, wird von den medialen Hofberichterstattern augenblicklich als Vaterlandsverräter oder Kreml-Agent diffamiert. Die Brüsseler Hofrats-Kaste hat sich ein hermetisches Meinungskartell gezimmert, in dem Kritik an der NATO-Linie als existenzielle Bedrohung gewertet wird. Mit Gesetzen wie dem Digital Services Act wird der digitale Diskursraum systematisch gesäubert, damit die Untertanen gefälligst nur noch jene Version der Realität konsumieren, die im Berlaymont für genehm befunden wurde. Der mündige Staatsbürger ist in dieser technokratischen Festung längst abgeschafft worden; übrig geblieben ist der folgsame Konsument von Katastrophenwarnungen, der artig nickt, während ihm die Freiheit unter den Füßen weggezogen wird.

Österreich wiederum, einst stolzer Hort der verfassungsrechtlich verankerten Neutralität und diplomatischer Vermittler zwischen den Welten, taumelt in dieser Tragödie wie ein begossener Pudel hinterher. Anstatt als souveräner Friedensstifter aufzutreten und den kriegsbesoffenen Falken in Brüssel und Berlin Paroli zu bieten, duckt sich die Wiener Regierungselite feige weg und nickt jede weitere Eskalationsstufe stillschweigend ab. Das Erbe von Kreisky und die historische Errungenschaft des Staatsvertrags von 1955 werden auf dem Altar des Brüsseler Einheitsstaates sang- und klanglos geopfert. Man geniert sich regelrecht für das neutrale Statut, schleicht sich durch die Hintertür an NATO-Manöver heran und hofft inständig, dass am Schuman-Rondell niemand bemerkt, dass Österreich eigentlich gar kein Kriegsteilnehmer sein dürfte. Diese feige Selbstaufgabe ist vielleicht der deprimierendste Aspekt eines Kontinents, der sein diplomatisches Tafelsilber längst gegen Washingtoner Marschbefehle eingetauscht hat.

Die 72-Stunden-Empfehlung ist somit weit mehr als nur ein banaler zivilschutzpolitischer Ratschlag. Sie ist das offizielle Armutszeugnis einer gescheiterten Führungsklasse, die Europa in die geopolitische Bedeutungslosigkeit und an den Rand eines verheerenden Großkonflikts navigiert hat. Wer als Regierung seinen Bürgern nichts Besseres mehr anzubieten hat als die Aussicht auf einen Bunkerplatz und eine Handvoll Konservendosen, hat jedes moralische und politische Mandat zur Machtausübung unwiderruflich verwirkt. Es wird Zeit, dass die europäischen Völker diesen Hofräten und Kriegsapologeten die rote Karte zeigen, bevor der verordnete Zivilschutz-Albtraum zur selbsterfüllenden Prophezeiung gerät. Wer Vorräte für den Notfall anlegen muss, braucht nicht in erster Linie Knäckebrot und Wasserflaschen – sondern vor allem den Mut, jene technokratischen Brandstifter endlich in die Wüste zu schicken, die dieses Feuer überhaupt erst gelegt haben.