Es ist mal wieder so weit, die Hauptstadt der gescheiterten Republik hat gewählt, und die intellektuelle Trümmertruppe feiert sich für ihren eigenen Untergang. Da wird in Berlin und an anderen Orten der Republik fröhlich an den Hebeln der Macht gedreht, während die Reste der bürgerlichen Vernunft im Container der Geschichte entsorgt werden. Die Wählerschaft hat gesprochen, oder besser gesagt, sie hat in einem Anfall kollektiver Demenz das Kreuz an jener Stelle platziert, die den wirtschaftlichen Exodus und die ideologische Verelendung garantiert.

Besonders amüsant ist dabei das scharfe, sarkastische Schauspiel der Hofberichterstatter unseres sogenannten Qualitätsjournalismus. Diese fleißigen Lakaien der politischen Korrektheit übertreffen sich gegenseitig darin, radikale Umtriebe in zuckersüßes Marzipan zu verpacken. Da wird ein Wahlerfolg, der selbst in Moskau oder Havanna für anerkennendes Nicken sorgen würde, mit der gravitätischen Ernsthaftigkeit analysiert, die sonst höchstens der Entdeckung einer neuen Krebsheilung zusteht. Die hiesigen Medienprofis erklären uns mit der Miene von Weltverstehern, dass die Bürger sich eben nach 'sozialer Gerechtigkeit' sehnen – ein Euphemismus für die systematische Plünderung des letzten verbliebenen Mittelständlers. 

Wenn dann, wie Recherchen des Deutschlandfunks belegen, zwielichtige Gestalten aus dem kriminellen Milieu auf der Wahlparty aufkreuzen, um dem neuen linken Personal zu huldigen, zuckt der durchschnittliche Talkshow-Redakteur nicht einmal mit der Wimper. Man spricht lieber von 'kultureller Diversität' im Festzelt, statt das Offensichtliche auszusprechen: Hier verbündet sich der Staatsfeind mit dem nützlichen Idioten. Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man liest, welche Blüten dieser politische Selbstmord treibt. Die internationale Presse blickt fassungslos nach Deutschland, während unsere heimischen Haltungsanstalts-Journalisten noch die Trümmer küssen, auf denen sie sitzen. 

Der Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die begeisterten Reaktionen aus dem Ausland zeigt doch überdeutlich, dass unsere Innenpolitik längst zum Tollhaus verkommen ist, über das man im Nahen Osten und anderswo nur noch müde lächelt. Wenn ausländische Autokraten und türkische Medien frenetisch Beifall klatschen, weil deutsche Wähler ihre eigene Souveränität auf dem Altar des Zeitgeists opfern, dann weiß man: Der Untergang findet nicht im Schatten statt, er wird mit Pauken, Trompeten und GEZ-Gebühren gefeiert.

Es ist die Chronik einer angesagten Bankrotterklärung, die in den Redaktionsstuben von Berlin bis Hamburg mit der Akribie von Buchhaltern des Untergangs schöngeredet wird. Da werden Koalitionsoptionen durchgespielt, als ginge es um die Besetzung eines Kleingartenvereinsvorstands und nicht um die letzten Zuckungen einer einst stolzen Industrienation. Wer braucht schon eine funktionierende Infrastruktur, sichere Grenzen oder bezahlbare Energie, wenn er stattdessen gendergerechte Sprachregelungen und das gute Gefühl haben kann, moralisch auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen? Die politische Realität wird von diesen Berufsoptimisten so lange durch den Fleischwolf gedreht, bis selbst der größte Schlamassel wie ein avantgardistisches Kunstprojekt aussieht.

Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass dieser Staat nicht an seinen äußeren Feinden zugrunde gehen wird, sondern an seiner eigenen, unerträglichen Selbstgefälligkeit. Die Akteure auf der Bühne wechseln, die Parolen werden schriller, und der Bürger bezahlt die Zeche – mit seinem Wohlstand, seiner Sicherheit und seinem letzten Rest an Humor. Doch solange die Hofberichterstatter uns weiterhin erklären, dass der freie Fall in Wahrheit nur eine besonders innovative Form des Aufstiegs ist, können wir uns beruhigt zurücklehnen. Die Lichter brennen noch, auch wenn sie längst von der Decke fallen.