Es gibt im hiesigen Polit-Biotop Momente von einer so unbändigen Komik, dass man unwillkürlich nach der Obertasse Scharfrichter-Kaffee greift, um nicht am eigenen Zynismus zu ersticken. Da tritt ein bekannter Medienmanager an die Öffentlichkeit und wagt das Unfassbare: Er spricht laut aus, was jeder unvoreingenommene Beobachter seit Jahren mit dem Feldstecher konstatiert, nämlich dass die stolze sozialdemokratische Arbeiterpartei in Österreich inzwischen eher wie ein historischer Schrebergartenverein unter Zwangsverwaltung wirkt. Wie die Kronen Zeitung detailliert dokumentiert hat, reicht allein die bloße Erwähnung dieses Umstands aus, um in den heiligen Hallen der Genossen Schnappatmung und kollektive Existenzkrisen auszulösen.

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, in welcher Parallelwelt die Protagonisten des politischen Establishments eigentlich ihr Dasein fristen. Da wird seit Jahren von sozialer Gerechtigkeit geschwafelt, während die eigene Parteizentrale den Kontakt zum real existierenden Handwerker längst verloren hat wie ein Demenzkranker den Autoschlüssel. Wenn dann ein Externer kommt und den Status quo auch nur mit einer Augenbraue streift, bricht im Parteiapparat Panik aus. Die Reaktion der treuen Funktionäre erinnert dabei stark an jene historischen Szenen, in denen der Burgvogt erfährt, dass die Bauern vor dem Tor nicht etwa das Erntedankfest feiern, sondern die Mistgabeln wetzen wollen. Der Schreck sitzt tief, die Argumente sitzen gar nicht.

Besonders amüsant ist in diesem Zusammenhang die sprachlose Ratlosigkeit der Parteiführung, die sich in Interviews windet wie ein Aal auf dem Fischmarkt. Wie die Tageszeitung Die Presse messerscharf analysierte, zeigt der dort zitierte SPÖ-Bundesgeschäftsführer eine bemerkenswerte Mischung aus Trotz und vollkommener intellektueller Kapitulation. Man versteht die Welt schlicht nicht mehr. Schließlich hat man sich in jahrelanger Kleinarbeit ein gemütliches Biotop eingerichtet, in dem man sich gegenseitig auf die Schultern klopft, Anträge gegen den Klimawandel einreicht und sich von wohlmeinenden Journalisten für den unermüdlichen Kampf gegen rechts feiern lässt. Dass draußen in der finsteren Wirklichkeit die Wähler in Scharen davonlaufen, stört im geschützten Raum der Parteizentrale natürlich niemanden.

Und hier schlägt die Stunde der professionellen Hofberichterstatter, jener unermüdlichen Trommler der medialen Wohlfühl-Demokratie, die jeden Anflug von Kritik sofort mit der rhetorischen Asbestmatte bedecken. Während draußen die Hütte brennt, fabulieren die freundlichen Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionsstuben von einer spannenden innerparteilichen Debatte, sprechen von konstruktiven Diskussionsprozessen und verbrämen den totalen Realitätsverlust der Polit-Kaste als gelassene Standhaftigkeit. Es ist die Hohe Schule des Schönredens: Wenn das Schiff sinkt, loben die Chronisten eben die hervorragende Wassertemperatur und den erfrischenden Wellenschlag. Diese Form des behördlich geneigten Journalismus ist längst keine Berichterstattung mehr, sondern eine Art seelische Betreuung für nervenschwache Staatsbedienstete.

Wer braucht schon Wähler, wenn er ein perfekt funktionierendes Netzwerk aus Fördergeldern, Talkshow-Einladungen und wohlmeinenden Leitartikeln im Rücken hat? Die österreichische Sozialdemokratie hat sich über Jahrzehnte in dieses kuschelige Schneckenhaus aus Posten-Schacher und ideologischer Selbstbestätigung eingenistet. Dass nun ein frischer Wind durchs Gebälk pfeifen könnte, wird nicht als Chance begriffen, sondern als Majestätsbeleidigung. Schließlich könnte ja am Ende jemand merken, dass der Kaiser nicht nur keine Kleider anhat, sondern sich längst verlaufen hat.

So bleibt am Ende dieser Posse die schlichte Erkenntnis, dass die sogenannte politische Elite jeden Bezug zur Bodenhaftung längst im Müll entsorgt hat. Man klammert sich an Ämter und Mandate wie der Ertrinkende an den Strohhalm, während draußen die Realität unerbittlich an die Pforten klopft. Es wird spannend zu beobachten sein, wie lange die Mauern aus Schaumstoff und hohlen Phrasen diesem Druck noch standhalten, bevor der ganze faule Zauber in sich zusammenfällt.