Man muss den politischen Protagonisten unseres Landes ja zugestehen, dass sie inzwischen eine bemerkenswerte Ehrlichkeit an den Tag legen, wenn es darum geht, die Trümmer ihrer eigenen Wirtschaftspolitik zu besichtigen. Da verabschiedet sich die politische Führung klammheimlich vom alten, staatsbürgerlichen Ur-Credo der Nachkriegszeit und bereitet die Wählerschaft auf eine Ära vor, in der man den Begriff des Wohlstands am besten im historischen Archiv neben der Schreibmaschine und dem Wählscheibentelefon einlagert. Wie unlängst aus einem Bericht von N-TV hervorgeht, brauche es für Deutschland nun dringend eine „neue Erzählung“, weil das über Jahrzehnte heiliggesprochene Ludwig-Erhard-Versprechen vom stetigen Aufstieg von den harten ökonomischen Realitäten schlicht zermalmt worden ist. Wer den Bürgern jahrelang suggeriert hat, man könne eine hochentwickelte Industrienation durch planwirtschaftliche Experimente und exorbitante Energiepreise in die Zukunft peitschen, darf sich nicht wundern, wenn am Ende die Substanz verglüht und das Kapital die Flucht ergreift.
Das einstige Leitmotiv der Sozialen Marktwirtschaft – „Wohlstand für alle“ – war kein folkloristisches Beiwerk, sondern der Kitt, der die Bundesrepublik über Generationen hinweg zusammengehalten hat. Es war der verlässliche Pakt: Wer fleißig lernt, pünktlich zur Schicht erscheint und Steuern zahlt, erwirbt das Recht auf ein sorgenfreies Auskommen, auf Wohneigentum und einen gesicherten Lebensabend. Heute wird dieser generationenübergreifende Vertrag mit einem Federstrich entwertet. An seine Stelle tritt eine Kultur des Verzichts, garniert mit moralischen Appellen an die Leidensfähigkeit der Steuerzahler. Es ist eine schleichende Insolvenzerklärung des politischen Establishments, das den Menschen nun erklärt, dass Stagnation bereits der neue Erfolg sei und dass man sich gefälligst damit abfinden müsse, dass die eigenen Kinder es einmal schlechter haben werden als die Eltern.
Die ökonomischen Warnsignale sind dabei längst nicht mehr zu übersehen, auch wenn man in den Ministerien krampfhaft versucht, die Realität mit beschwichtigenden Phrasen zu übertünchen. Während Traditionsbetriebe im Mittelstand unter der weltweiten Höchstlast aus Steuern, Abgaben und bürokratischem Irrsinn ersticken, verlagern industrielle Schwergewichte ihre Produktion im Eiltempo nach Übersee. Ob Chemieindustrie, Automobilzulieferer oder Maschinenbau: Die Abwanderungswelle hat eine Dimension erreicht, die an die Fundamente unseres Landes rührt. Wenn energieintensive Kernbereiche der Wirtschaft sang- und klanglos aufgeben oder ins Ausland fliehen, stirbt nicht bloß ein statistischer BIP-Posten, sondern das industrielle Rückgrat, von dem Krankenhäuser, Renten, Schulen und der gesamte öffentliche Dienst finanziert werden.
Besonders zynisch mutet die Rolle der sogenannten Qualitätspresse an, die diesen historischen Niedergang mit geradezu akrobatischer Sprachgymnastik begleitet. Wo früher kritisch nachgebohrt und die Regierungsbank ins Kreuzfeuer genommen worden wäre, herrscht heute weitgehend staatsfrommer Jubeljournalismus. Der reale Wohlstandsverlust wird kurzerhand zur „notwendigen Transformation“ umgedichtet, Werkschließungen gelten als „gesunder Strukturwandel“ und die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten wird zum erzieherischen Beitrag im Kampf gegen den globalen CO2-Ausstoß geadelt. Man erklärt den Bürgern mit belehrendem Unterton, dass Konsumverzicht eine Tugend sei und dass ein erzwungener Absturz eigentlich eine spirituelle Reinigung darstelle. Es ist diese elitäre Arroganz, die zwischen den Lebenswelten der Berliner Salons und den Alltagssorgen einer Krankenschwester oder eines Werkzeugmachers eine unüberbrückbare Kluft aufreißt.
Parallel dazu dreht sich die Spirale der Umverteilung und Bevormundung immer schneller. Da man die Einnahmenseite durch den Verlust rentabler Wertschöpfung ruiniert hat, greift der Fiskus den Bürgern noch tiefer in die Tasche. Sozialabgaben steigen unaufhörlich, kalte Progression frisst Lohnerhöhungen auf und das Rentensystem taumelt dem Kollaps entgegen. Die verbliebene arbeitende Mitte wird zur Melkkuh einer Politik degradiert, die Milliarden in ineffiziente Subventionstöpfe und ideologische Vorzeigeprojekte pumpt, während gleichzeitig Brücken bröckeln, Züge verspätet einfahren und Schulen verfallen. Die Botschaft der Politik an die Leistungsträger ist unmissverständlich: Wer sich anstrengt, wird rasiert; wer aufgibt, wird alimentiert.
Wir erleben kein vorübergehendes Stimmungstief, sondern die bewusste Beerdigung des Erfolgsmodells, das Deutschland nach dem Krieg aus Ruinen an die Weltspitze geführt hat. Wenn die politische Führung das Versprechen des Aufstiegs streicht, entzieht sie dem Staat die eigene Legitimation. Denn eine Demokratie, die ihren Bürgern keine Perspektive auf Besserung mehr bieten kann, gerät unweigerlich ins Wanken. Wie bewerten Sie dieses offene Eingeständnis der Politik? Haben Sie das Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz unserer Führung verloren oder glauben Sie an eine Wiederbelebung der Sozialen Marktwirtschaft? Schreiben Sie uns Ihre unverblümte Sicht der Dinge in die Kommentare.

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *