Es gibt politische Auftritte, die verraten mehr über den Zustand eines Landes als jede soziologische Tiefenbohrung. Wenn der oberste Repräsentant der Republik in die ostdeutsche Provinz reist, um dort für den Erhalt der ministerpräsidentlichen Macht zu trommeln, ohne sich auch nur dem direkten Kontakt mit dem wählenden Souverän auszusetzen, dann erleben wir Regierungsführung im hermetischen Schutzraum. Wie ein Bericht von N-TV eindringlich dokumentiert, wandelt der Kanzler auf Spuren, die eher an fürstliche Inspektionen vergangener Jahrhunderte erinnern als an eine wehrhafte Demokratie. Man redet über das Volk, aber tunlichst nicht mit ihm. Die Angst vor dem eigenen Publikum ist zur Leitlinie des parlamentarischen Regierungsstils mutiert.
Währenddessen überschlagen sich die Berliner Eliten in Talkshows und Rundfunkräten mit Untergangsszenarien. Da wird in feierlicher Betroffenheit vor dem vermeintlichen Kollaps gewarnt, sollte das Dogma der absoluten Ausgrenzung politischer Mitbewerber auch nur den Hauch von Rissen bekommen. Die dort zelebrierte Angstlust erinnert frappierend an mittelalterliche Hexenprozesse, bei denen die Inquisition den Scheiterhaufen anzündet und gleichzeitig beteuert, man tue dies nur zum Seelenheil der Allgemeinheit. Wer wagt, die ewig gleichen Mechanismen des Parteienkartells infrage zu stellen, wird mit dem Bannstrahl belegt. Es ist die pure Panik einer politischen Kaste, die spürt, dass ihr Monopol auf Deutungshoheit und Postenvergabe rapide schwindet.
Und hier schlägt die Stunde jener medialen Hilfstruppen, die sich unermüdlich bemühen, den Scherbenhaufen als mustergültige Architektur zu verkaufen. Die Qualitätspresse, einst angetreten als vierte Gewalt im Staate, verkommt mehr und mehr zum willfährigen Sprachrohr der Mächtigen. Mit einer bewundernswerten, wenn auch skurrilen Chuzpe wird uns tagtäglich erklärt, dass der eklatante Vertrauensverlust der Bürger in Wahrheit ein Zeichen gefestigter demokratischer Resilienz sei. Man biegt sich die Realität so lange zurecht, bis sie in das schwarz-rot-grüne Weltbild passt, und feiert jeden politischen Blindflug als historische Weitsicht. Es ist jene verordnete Realitätsverweigerung, bei der Journalisten längst nicht mehr berichten, was ist, sondern gebetsmühlenartig predigen, was gefälligst zu sein hat.
Doch die Fassade bröckelt an allen Ecken und Enden, während die Statistik der Staatsgewalt ein beklemmendes Zeugnis des inneren Verfalls liefert. Wenn das Bundeskriminalamt im laufenden Jahr bereits 165 Sabotageverdachtsfälle zählt, wie kürzlich aus einem Report des Deutschlandfunks hervorgeht, dann brennt es längst an den unsichtbaren Fundamenten unserer kritischen Infrastruktur. Ob Umspannwerke, Schienennetze oder digitale Leitungen – das Land gleicht einem Schweizer Käse, dessen Löcher von Tag zu Tag größer werden. Doch statt entschlossen gegenzusteuern, verliert sich die politische Klasse in ideologischen Grabenkämpfen und dem krampfhaften Festhalten an Posten und Pfründen.
Passend dazu zeigt der Blick in die Parteizentralen das Bild einer vollkommen entkernten Technokratie. Selbst in den eigenen Reihen wächst die Erkenntnis, dass man den Anschluss an die Lebenswirklichkeit der Menschen längst verloren hat. Wenn SPD-Generalsekretäre plötzlich freimütig einräumen, dass ihre Partei über Jahre hinweg zu einer blutleeren Apparatschik-Truppe verkommen ist, dann grenzt das an späte Einsicht, bleibt aber wirkungslos, solange der politische Kurs nicht radikal korrigiert wird. Man verwaltet den Abstieg mit der Akribie von Buchhaltern, die den Konkursverwalter für einen genialen Sanierer halten.
Währenddessen versucht Innenminister Dobrindt mit markigen Worten an den Grenzen das Bild handlungsfähiger Härte zu zeichnen, während im Hintergrund längst über neue europäische Verteilungs- und Abschiebezentren sinniert wird. Doch diese PR-Manöver überdecken nur mühsam die Tatsache, dass die staatliche Souveränität an den eigenen Außengrenzen jahrelang fahrlässig preisgegeben wurde. Wer die Probleme über Dekaden ignoriert, kann sie nicht durch sommerliche Inszenierungen und martialische Pressekonferenzen un geschehen machen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die Herrschenden in einer Blase leben, die immun ist gegen Argumente der Vernunft. Sie regieren gegen die Mehrheit, verteidigen ihre Pfründe mit Zähnen und Klauen und wundern sich über das wachsender Grollen im Land. Es ist ein Trauerspiel in fortgeschrittenem Stadium, bei dem die Akteure glauben, durch noch lauteres Pfeifen im Walde die Dunkelheit vertreiben zu können.

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