Es gibt im modernen Politikbetrieb diese heiligen Momente der kollektiven Schnappatmung, in denen die Kathedralen der demokratischen Selbstbeweihräucherung bis in die hintersten Reihen des Pressesaals erzittern. Wenn ein US-Präsident beschließt, den feierlichen Akkreditierungszirkus ein für alle Mal zu beenden und den hochverehrten Kollegen von CNN die rot-weiß-blaue Tür vor der Nase zuzuschlagen, dann bricht im Elfenbeinturm der vermeintlichen Vierten Gewalt nicht etwa die Erkenntnis aus, sondern pure, unverfälschte Panik. Wie die Tagesschau meldet, sieht sich Donald Trump angesichts jahrelanger medialer Dauerfeuer-Inszenierungen zu diesem drastischen Schritt gezwungen und wirft den Sendern vor, nichts als Erfindungen und verlogene Narrative zu produzieren. Doch anstatt in Demut die eigene publizistische Eitelkeit zu hinterfragen, stürzt sich das transatlantische Medienkartell in den gewohnten Reflex der moralischen Empörung und geißelt den Eingriff als Anschlag auf die Grundfeste der westlichen Zivilisation.

Dabei ist das hysterische Geheul der Hofberichterstatter an durchsichtiger Heuchelei kaum noch zu überbieten. Jahrelang haben dieselben Redaktionen, die sich nun als unerschrockene Märtyrer der Wahrheit inszenieren, jede abweichende Meinung, jeden kritischen Zweifel an der herrschenden Doktrin und jeden konservativen Wählerwillen mit einer Mischung aus Arroganz und Zensurlust überzogen. Wenn die woken Chef-Moralisten des Mainstreams im gemütlichen Dauerabonnement den Andersdenkenden als Populisten, Demokratiefeind oder Schlimmeres brandmarken, dann nennen sie das stolz Qualitätsjournalismus und Haltung. Sobald jedoch der Spieß umgedreht wird und ein gewählter Staatschef den Spuk beendet, indem er den professionellen Dauererregern schlicht den Stuhl vor die Tür stellt, entdecken sie plötzlich die heilige Unantastbarkeit der Pressefreiheit. Es ist die klassische Doppelmoral jener Figuren, die glauben, sie dürften die Deutungshoheit über den Globus pachten, während sie jede Kritik an ihrer eigenen elitären Blase als Majestätsbeleidigung betrachten.

Man reibt sich ungläubig die Augen, mit welcher Perfektion die professionellen Empörungsindustriellen in Berlin, Washington und Brüssel ihre eigene Realitätsverweigerung zelebrieren. Während draußen die echten Probleme des Planeten ungelöst gären, betreiben diese Medienprofis den Hofstaat einer abgehobenen Funktionselite und beklatschen sich gegenseitig für ihre ach so kritischen Fragen, die in Wahrheit nichts weiter sind als servile Bestätigungsrituale. Wie der ORF berichtet, greift diese restriktive Maßnahme tief in den gewohnten Arbeitsalltag der Washingtoner Korrespondenten ein, die nun lernen müssen, dass Privilegien eben nicht durch göttliches Recht garantiert sind, sondern an Glaubwürdigkeit gekoppelt sein sollten. Doch statt den Spiegel zu putzen, werfen sie lieber mit dem Schwamm nach demjenigen, der ihnen zeigt, wie schief ihr Gesicht darin geworden ist.

Es entbehrt nicht einer gewissen bitteren Komik, dass jene Journalisten, die sonst jeden staatlichen Eingriff in die Wirtschaft oder das Privatleben der Bürger mit eiserner Härte rechtfertigen und nach noch mehr behördlicher Zensur gegen unliebsame Stimmen schreien, beim ersten eigenen Gegenwind sofort nach den Grundrechten rufen. Plötzlich ist die Meinungsfreiheit nicht mehr das verhandelbare Instrument zur Umerziehung der Massen, sondern das höchste Gut, das unverzüglich durch internationale Solidaritätsbekundungen gerettet werden muss. Wenn man jahrelang fleißig am Ast gesägt hat, auf dem die freie Debatte sitzt, sollte man sich eben nicht wundern, wenn man irgendwann im Blumenbeet der eigenen Bedeutungslosigkeit landet.

Die Aufregung über das erteilte Hausverbot offenbart vor allem eins: den tiefen, unstillbaren Schmerz einer publizistischen Kaste, die den Kontakt zur Realität längst verloren hat und nun feststellen muss, dass ihre moralische Monopolstellung Makulatur ist. Wer den Bürger nur noch belehren, erziehen und mit gefilterten Narrativen abspeisen will, der darf sich nicht wundern, wenn die Pforten der Macht irgendwann verschlossen bleiben. Es zeigt sich einmal mehr, dass der vermeintliche Tempel der Demokratie ohne echten Pluralismus nur noch eine leere Kulisse ist, in der die Darsteller ihre immer gleichen Monologe halten, während draußen das echte Leben tobt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass diese Posse weit mehr über den Zustand unserer Medienlandschaft aussagt als über den US-Präsidenten. Solange die sogenannte Qualitätspresse den Verlust ihrer Privilegien mit dem Untergang des Abendlandes verwechselt, wird sie irrelevant bleiben. Der publizistische Abstieg vollzog sich nicht durch ein Dekret aus Washington, sondern durch Jahre der Selbstüberschätzung und des gelebten Realitätsverlusts. Man kann eben nicht ungestraft jahrelang so tun, als sei man die Stimme des Volkes, während man sich in Wahrheit nur noch im eigenen Echo verirrt hat.