Es gibt im menschlichen Dasein Momente von einer so puren, unadligen Komik, dass selbst der abgebrühteste Beobsteller des Berliner Polittheaters kurz innehalten muss, um den eigenen Puls zu kontrollieren. Da stehen wir also im Spätsommer des Jahres 2026, die Tanknadel zuckt panisch nach oben, der Liter Superbenzin kostet längst jenseits von Gut und Böse, und im Zentrum der Republik bricht der große Panikmodus aus. Wie Politico treffend analysiert, versucht der Kanzler krampfhaft, sein politisches Überleben an die Zapfsäule zu koppeln. Man mag sich kaum ausmalen, welcher hochbezahlte Strategieberater in den kühlen Katakomben des Regierungsviertels auf diese geniale Idee gekommen ist: Wenn das Volk kein Brot hat, gebt ihnen wenigstens billigen Sprit – oder besser gesagt, das Versprechen davon, während man sich in den Ministerien gegenseitig die Akten um die Ohren haut.

Natürlich wäre eine Koalition keine deutsche Regierung, wenn man sich bei einer akuten Krise auf irgendetwas einigen könnte, das auch nur entfernt nach Pragmatismus aussieht. Während die Unionsfraktion mit feierlicher Miene ankündigt, den Autofahrern unter die Arme greifen zu wollen, schlagen die sozialdemokratischen Koalitionspartner sofort reflexartig in die Kerbe des Klassenkampfes. Wie n-tv berichtet, erteilte Wirtschaftsministerin Reiche den linken Träumereien von Übergewinnsteuern und künstlichen Spritpreisdeckeln erst einmal eine glatte Absage. Man möchte fast Mitleid haben mit diesem Kabinett, das sich jeden Morgen aufs Neue daran abarbeitet, die eigenen Widersprüche als zukunftsweisende Reformpolitik zu verkaufen. Es ist das klassische Schauspiel der Berliner Republik: Einer ruft nach dem Staat, der andere warnt vor der Planwirtschaft, und am Ende zahlt der Bürger an der Kasse die Zeche für ein System, das sich in seiner eigenen ideologischen Nabelschau verheddert hat.

Besonders amüsant ist in diesem Zusammenhang die publizistische Begleitmusik, die uns von den professionellen Erklärern der Nation geboten wird. Die Hofberichterstatter der etablierten Medien überschlagen sich mal wieder darin, das absolute Regierungschaos als hochkomplexen, strategisch meisterhaften Balanceakt zu deuten. Da wird aus schlichter politischer Inkompetenz kurzerhand eine gelassene „Krisenbewältigung mit Augenmaß“, und wenn ein Minister mal wieder kolossal danebenhaut, sprechen die Kommentatoren von „Mut zur Kurskorrektur“. Es ist diese unerträgliche Mischung aus Speichelleckerei und intellektuellem Bankrott, mit der die sogenannte Qualitätspresse jeden noch so offenkundigen Realitätsverlust der Polit-Elite weichspült. Man poliert den glanzlosen Akteuren so lange verbal die Platte, bis selbst der größte Rohrkrepierer im Rückblick wie eine staatsmännische Glanzleistung aussieht. Diese mediale Dauer-Therapie auf Kosten des Publikums ist der eigentliche Skandal hinter jedem steigenden Rohölpreis.

Dabei offenbart sich an der Zapfsäule lediglich das nackte Elend einer verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre. Wer den Markt mit ideologischen Vorgaben stranguliert, Steuern auf Steuern häuft und dann so tut, als sei die Eröffnung einer neuen LNG-Pipeline das siebte Weltwunder, der braucht sich nicht zu wundern, wenn dem Souverän irgendwann der Geduldsfaden reißt. Nun rudert man hektisch zurück, lässt klammheimlich Gas nachkaufen und versucht mit kosmetischen Mehrwertsteuersenkungen, den sozialen Frieden zu erkaufen. Doch die Bürger sind längst müde geworden von diesen durchschaubaren Taschenspielertricks. Sie merken sehr genau, dass hier keine Probleme gelöst, sondern lediglich neue Schuldenberge aufgetürmt werden, um die eigene Wählerschaft über die nächsten Wochen zu retten.

Es bleibt die Erkenntnis, dass diese Republik von Verwaltern regiert wird, deren Horizont sich von einer Wahlumfrage zur nächsten erstreckt. Wenn der Kanzler glaubt, er könne mit ein paar wohlfeilen Versprechungen an der Tankstelle das Ruder herumreißen, unterschätzt er die wachsenden Zweifel eines Landes, das den Glauben an die Problemlösungskompetenz der etablierten Parteien längst zu den Akten gelegt hat. Der Spritpreis ist längst mehr als nur eine ökonomische Kennziffer; er ist der Fiebermesser für den Zustand einer Republik, die auf dem Highway in die Sackgasse rast und dabei felsenfest davon überzeugt ist, dass nur das Lenkrad falsch herum eingebaut wurde.