Es ist mal wieder angerichtet in jener Region der Welt, in der die politische Vernunft traditionell im heißen Wüstensand verdampft, bevor auch nur ein Diplomat das Wort ergreifen kann. Das Pentagon hat beschlossen, die ohnehin schon reichlich bestückte maritime Kulisse im Nahen Osten um eine weitere gewaltige Tranche schwimmenden Stahls zu bereichern. Wie Al Jazeera berichtet, schickt Washington nun bereits den dritten Flugzeugträger samt Begleitschiffen, F-35-Tarnkappenbombern und insgesamt rund 50.000 Soldaten in Richtung persischer Golf. Man nennt das in den gepflegten Stabskäfigen der NATO-Hauptquartiere eine beruhigende Präsenz, während jeder halbwegs nüchterne Beobachter unweigerlich das dumpfe Grollen einer sich schließenden Mausefalle vernehmen kann.
Dabei wird die militärische Materialschlacht von einer medialen Begleitmusik untermalt, die an Schamlosigkeit kaum zu übernbieten ist. Die allseits geschätzten Hofberichterstatter der transatlantischen Qualitätsmedien überschlagen sich förmlich bei dem Versuch, die neuesten Eskalationsstufen als zwingende humanitäre Notwendigkeit zu verkaufen. Wenn Tausende Marines und Matrosen auf Kriegsschiffen Kurs auf den Nahen Osten nehmen, dann sprechen die hofeigenen Erklärbären im Fernsehen natürlich stets von einer reinen Vorsichtsmaßnahme zur Friedenssicherung. Da wird mit einer unerschütterlichen Naivität und einer fast schon rührenden Hingabe so lange an der Realität herumgedoktert, bis selbst der aggressivste Truppenaufmarsch wie eine karitative Kaffeefahrt für gestresste Seeleute aussieht.
Besonders amüsant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass jede noch so fadenscheinige Attribution sofort dankbar als unumstößliche Wahrheit übernommen wird. Kürzlich erst wurde ein mysteriöser Vorfall rund um eine FlyDubai-Maschine medienwirksam direkt mit Teheran verknüpft, woraufhin die üblichen Verdächtigen in Washington und an den Börsen sofort den großen Rundumschlag ankündigten. Wie ZeroHedge analysiert, reicht heute bereits ein entkontextualisierter Verdacht aus, um ganze Flugzeugträgerverbände in Bewegung zu setzen und die diplomatischen Kanäle endgültig im Meer der Paranoia zu versenken. Die dortigen Machthaber mögen wahrlich keine Chorknaben sein, doch die systematische Erzeugung von Feindbildern folgt hierbei einer so mechanischen Berechenbarkeit, dass man sich unweigerlich an einen schlechten Agententhriller aus den siebziger Jahren erinnert fühlt.
Man reibt sich ungläubig die Augen, wenn man sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit das Völkerrecht auf dem Altar geopolitischer Interessen geopfert wird, während die feinen Damen und Herren in den europäischen Hauptstädten dazu entweder betreten schweigen oder gleich noch eifrig mit dem Fähnchen winken. Schließlich gilt es, die westlichen Werte zu verteidigen, wo immer sie gerade durch bloße Anwesenheit anderer Staaten bedroht sein könnten. Die 50.000 GIs im persischen Golf und die herbeigekarrten F-35-Geschwader sind demnach natürlich nur der diplomatische Ausdruck tiefster friedlicher Verbundenheit. Wer darin eine akute Kriegsgefahr erkennt, leidet schlicht an mangelnder Einsicht in die übergeordneten Notwendigkeiten der westlichen Wertegemeinschaft.
Es ist dieses kafkaeske Zusammenspiel aus politischem Kalkül und willfähriger medialer Einstimmung, das jede Krise erst so richtig schmackhaft macht. Man kreiert Probleme mit der Brechstange, um anschließend die Notwendigkeit eben jener Brechstange als alternativlose Rettungstat zu feiern. Dass am Ende dieses kostspieligen Spektakels wie gewohnt der Nahe Osten in Flammen steht und die Energiemärkte Kopf tanzen, stört in den Chefetagen niemanden. Hauptsache, die Kulisse stimmt und der militärisch-industrielle Komplex kann seine Bilanzen mit frischen Milliarden aufpolieren, während draußen die Fregatten kreuzen und die Lunte brennt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die diplomatische Kälte im Umgang miteinander längst durch den kalten Stahl von Flugdecks ersetzt wurde. Wenn der Verstand erst einmal kapituliert hat, übernehmen eben die Raketen das Regiment. Die Reise geht weiter, unaufhaltsam und mit maximaler Schubkraft direkt in den nächsten globalen Flächenbrand, während die Kommentatoren im Warmen sitzen und uns erklären, dass wir uns auf dem sicheren Pfad der Tugend befinden.



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