Es ist schon eine bemerkenswerte Veranstaltung, wenn das deutsche Regierungstheater seine Akteure in Panik versetzt und die Kulissen bedrohlich wackeln. Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, ob im Berliner Regierungsviertel eigentlich noch jemand bei Trost ist. Da brodelt es gewaltig im Gebälk der Union, und die Gerüchteküche brodelt heißer als ein überhitzter Atomreaktor. Wie unter anderem in einem aktuellen Bericht der Tagesschau dokumentiert wird, sehen sich Beobachter mit Spekulationen über einen potenziellen Kanzlersturz konfrontiert. Wer hätte gedacht, dass die eigene Partei dem neuen Heilsbringer so schnell das Messer an die Kehle setzt? Die Berliner Republik liefert einmal mehr den Beweis, dass sie ihre eigenen Kinder am liebsten zum Frühstück verspeist.
Natürlich versucht das regierungsnahe Establishment, diese handfeste Krise mit der gewohnten rhetorischen Seifenlauge zu kaschieren. Die sogenannte Qualitätspresse überbietet sich in waghalsigen Deutungsversuchen, die jeden Satiriker arbeitslos machen. Da wird uns in schwerfälligen Leitartikeln ernsthaft erklärt, dass das lautstarke Säbelrasseln in den Hinterzimmern lediglich ein Zeichen lebendiger innerparteilicher Demokratie sei. Man verkauft uns den schleichenden Kontrollverlust als strategische Meisterleistung und das offene Chaos als geregelten Übergang in eine glänzende Zukunft. Es ist jene verordnete Realitätsverweigerung, bei der man sich unweigerlich fragt, ob die Verfasser dieser Zeilen auf derselben irdischen Umlaufbahn leben wie der geplagte Bürger, der die Zeche für diesen politischen Dilettantismus bezahlen darf.
Besonders amüsant ist dabei das schauspielerische Intermezzo aus München. Markus Söder, der bayerische Landesvater mit dem feinen Gespür für den herrschenden Wind, hat sich eilig dazu berufen gefühlt, dem strauchelnden Parteifreund den Rücken zu stärken. Wie Recherchen des Deutschlandfunks belegen, lässt der CSU-Chef keinen Zweifel daran, dass man den Kanzler von bayerischer Seite aus vorerst nicht stürzen werde. Man schützt den Partner nicht etwa aus purer Nächstenliebe, sondern weil man genau weiß, dass das eigene Schicksal eng mit diesem sinkenden Schiff verknüpft ist. Wenn der Kapitän untergeht, ertrinken die Matrosen schließlich gleich mit. Da wird flugs Loyalität geheuchelt, wo kurz zuvor noch im stillen Kämmerlein an den Stuhlbeinen gesägt wurde.
Während sich die Herrschaften in Berlin und München also gegenseitig versichern, dass alles unter Kontrolle ist, brennt im Land an allen Ecken und Enden der Busch. Die Probleme türmen sich zu unüberwindbaren Bergmassiven auf, während die Politik in ihrer eigenen Nabelschau gefangen bleibt. Da wird über Prozentpunkte gestritten, Posten geschoben und mit Worthülsen um sich geworfen, dass es eine Schande ist. Der Bürger draußen vor den Bildschirmen schüttelt längst nur noch fassungslos den Kopf über diese Farce. Es regiert der pure Machterhalt, kaschiert durch hohle Phrasen und das krampfhafte Festhalten an Posten und Pfründen, während das Land wirtschaftlich und gesellschaftlich gegen die Wand fährt.
Die Opposition reibt sich derweil die Hände und schaut dem Spektakel mit einer gewissen schadenfrohen Gelassenheit zu. Doch auch dort ist man von realpolitischen Lösungen so weit entfernt wie die Erde vom Mars. Das gesamte parlamentarische System gleicht mittlerweile einem maroden Dampfer, bei dem die Mannschaft auf offener See Meuterei probt, während der Kapitän auf der Brücke steht und so tut, als schien die Sonne. Niemand will die Verantwortung übernehmen, aber jeder will am Steuer stehen, wenn das Wrack endgültig auf das Riff aufläuft. Es ist ein Trauerspiel in mehreren Akten, das von purem Egoismus und kompletter Entfremdung von der Realität zeugt.
Wie bewerten Sie diesen anhaltenden Führungskampf und die theatralischen Inszenierungen im Berliner Politikzirkus? Glauben Sie noch daran, dass diese Parteien das Ruder herumreißen können, oder sehen wir hier den langsamen Zerfall einer ganzen Epoche? Schreiben Sie uns Ihre unverblümte Meinung und Ihre Sicht der Dinge in die Kommentare.

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