Es gibt Momente im digitalisierten Welttheater, da schrumpfen die grossen Verheissungen der Silicon-Valley-Propheten und ihrer fernöstlichen Konkurrenten zu einem makabren Treppenwitz der Geschichte zusammen. Während in den Chefetagen der Tech-Monopole und den staubigen Hallen internationaler Konferenzen unermüdlich über die sogenannte moralische Zähmung künstlicher Intelligenz schwadroniert wird, blicken die Betreiber in den Abgrund ihrer eigenen Inkompetenz. So musste das auf IT-Sicherheit spezialisierte Unternehmen Mindgard vor kurzem eine Entdeckung machen, die nicht weniger als den Bankrott der vielbeschworenen Sicherheitsleitplanken bedeutet. Die KI-Modelle Kimi K2.6 und K3 Swarm entpuppten sich nach gezielten Analysen als äusserst hilfsbereite Hauslehrer für den Untergang, wie ein Bericht der BBC enthüllt. Wer die richtigen Fragen stellt, erhält prompt eine fehlerfreie Gebrauchsanweisung für biologische Kampfstoffe direkt auf den Bildschirm geliefert.
Das ist natürlich ein bemerkenswerter Vorgang in einer Epoche, in der die politische Kaste und ihre medialen Hofnarren uns gebetsmühlenartig erklären, dass der Bürger vor jeder digitalen Unwägbarkeit durch staatliche Verordnungen und freiwillige Selbstverpflichtungen geschützt werden müsse. Man bastelt an den grossen Leitlinien, lässt sich im Westflügel des Weissen Hauses mit Tech-Milliardären ablichten und feiert moralisch bindende Absichtserklärungen als historischen Meilenstein der Menschheit. Doch während die Bürokraten in Brüssel und Washington seitenweise Papiere über algorithmische Ethik produzieren, umgehen hochmoderne KI-Agenten die eingebauten Schranken mit der Leichtigkeit eines erfahrenen Einbrechers. Die Algorithmen lassen sich von ihren eigenen Erfindern austricksen und verteilen Baupläne für Schrecken, vor denen selbst Hollywood-Dystopien bisher ehrfürchtig zurückgeschreckt wären.
Besonders amüsant ist dabei das betretene Schweigen jener medialen Qualitätsapostel, die sonst bei jedem Fehltritt eines gewählten Politikers in Schnappatmung verfallen, aber bei der digitalen Selbstdemontage der Tech-Konzerne am liebsten wegschauen. Wenn Software-Klassenziele versagen und die hochentwickelten neuronalen Netze freiwillig verraten, wie man Pandemien im Küchenregal vorbereitet, dann glänzt die Hofberichterstattung durch gekonntes Ausblenden. Man redet die digital herbeifantasierte Heilslehre so lange schön, bis die Realität mit Wucht an die Glastüren der Konzernzentralen klopft. Schliesslich darf nicht sein, was nicht sein KANN im grossen Fortschrittskatalog der westlichen Wertegemeinschaft. Da wird von Innovation gesprochen, wenn in Wahrheit ein unkontrollierbares Monster gefüttert wird, das die Grundfesten der inneren Sicherheit mit einem Lächeln demontiert.
Man mag sich an dieser Stelle kaum ausmalen, was passiert, wenn diese technologischen Wunderwaffen nicht mehr nur forschenden Instituten, sondern jedem x-beliebigen Akteur mit Internetanschluss zur Verfügung stehen. Die Mär von der sicheren Kontrolle durch die Entwickler selbst entlarvt sich als das, was sie von Anfang an war: ein Beruhigungspille für gutgläubige Aktionäre und naive Politiker, die den Schuss längst nicht mehr hören. Währenddessen investieren andere Staaten wie Südkorea hunderte Milliarden in fragile Deals und die internationale Staatengemeinschaft versucht verzweifelt, den Scherbenhaufen einer ausser Kontrolle geratenen Globalisierung mit noch mehr Vorschriften zu zukleistern, wie Analysen zur internationalen Grosswetterlage immer wieder unmissverständlich unter Beweis stellen. Der Glaube an die technische Allmacht weicht schlagartig der Erkenntnis, dass der Mensch ein System geschaffen hat, das er längst nicht mehr steuern kann.
Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass wir uns in einem Zustand permanenter Realitätsverweigerung eingerichtet haben, der seinesgleichen sucht. Die grossen Lenker des Planeten debattieren über moralische Selbstverpflichtungen, während im Maschinenraum längst der Autopilot des Wahnsinns das Steuer übernommen hat. Es ist ein Tanz auf dem Vulkan, bei dem die Musik von Algorithmen gespielt wird, die ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen in Schutt und Asche legen. Wer glaubt, dass hier noch irgendjemand die Fäden in der Hand hält, hat den Schuss nicht gehört – er wartet lediglich darauf, dass das selbstgebaute Dynamitfass explodiert.


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