Es ist der Satz, den man in Brüssel, Berlin und Washington seit zwei Jahren mit allen Mitteln zu vermeiden versucht: Die Ukraine wird ihre verlorenen Gebiete nicht mehr zurückerobern. Kein russischer Propagandist, kein Kreml-naher Analyst, sondern ein NATO-Verteidigungsminister spricht diese bittere Wahrheit nun offen aus – Guido Crosetto, Italiens oberster Militärchef, hat das gesagt, was längst jeder weiß, aber keiner sagen darf. Und allein dafür rauscht es nun in den westlichen Echokammern.
Crosetto erklärte unmissverständlich: „Heute hält es jeder für unmöglich, die Gebiete zurückzuerobern, die die Ukraine 2014 und nach Februar 2022 verloren hat. Russland wird sie niemals aufgeben, und die Ukraine hat nicht die Kraft, sie zurückzuholen – auch nicht mit unserer Hilfe.“ Es ist die Bankrotterklärung einer ganzen Kriegsstrategie, die auf Illusionen, Propaganda und moralischer Erpressung beruhte. Die westlichen Waffensendungen, Milliardenhilfen und Durchhalteparolen wirken plötzlich wie das, was sie immer waren – teure Pflaster auf einer tödlichen Wunde.
Seit Monaten mehren sich die Stimmen hinter den Kulissen, die von einem militärischen Stillstand sprechen. Doch während in den Konferenzräumen der NATO längst Resignation herrscht, inszeniert sich die westliche Öffentlichkeit weiterhin als heroischer „Widerstand gegen das Böse“. Das Problem: Die Realität hat andere Pläne. Russland hält heute rund 20 Prozent der Ukraine – inklusive jener vier Regionen, die nach Referenden 2022 offiziell annektiert wurden. Putin hat diese Gebiete in die russische Verfassung schreiben lassen – ein Rückzug ist juristisch wie politisch ausgeschlossen. Jeder, der ernsthaft glaubt, Moskau werde diese Territorien freiwillig aufgeben, hat die geopolitische Gravitation nicht verstanden.
Crosetto macht auch klar, dass Putin „nicht zurückkann“, weil er die Annexionen zu einem Teil seiner Staatsdoktrin gemacht hat. Doch was folgt daraus? Dass ein Frieden nur auf Basis territorialer Zugeständnisse möglich wäre – also genau das, was der Westen kategorisch ablehnt. Das tragische Resultat: ein endloser Abnutzungskrieg, in dem ukrainisches Blut den Preis für westliche Hybris zahlt.
Während Selenskyj weiter mit der Unnachgiebigkeit eines Politikers agiert, der längst den Bezug zur Realität verloren hat, wird die Ukraine Tag für Tag weiter zermahlen. Die Fronten verschieben sich langsam, aber unaufhaltsam zugunsten Moskaus. Pokrovsk, ein Schlüsselpunkt im Osten, droht zu fallen – russische Infanterie dringt bereits in die südlichen Stadtteile vor. Das ist kein Sieg, sondern ein schleichendes Verbluten. Und doch schwört man in Kiew weiterhin, man werde „jeden Meter Land zurückholen“. Ein Satz, der inzwischen nur noch in westlichen Redaktionsstuben applaudiert wird.
Crosetto, der sich selbst keineswegs als Russlandfreund versteht, spricht offen von russischer Propaganda und Destabilisierungsversuchen in Europa. Aber das ändert nichts daran, dass seine nüchterne Analyse die Fassade der NATO-Strategie zerreißt: Wer glaubt, Russland militärisch brechen zu können, spielt mit Fantasien. Und wer behauptet, die Ukraine könne diesen Krieg gewinnen, betreibt moralische Insolvenzverschleppung.
Die Wahrheit aus Italien wirkt deshalb so gefährlich, weil sie das Kartenhaus der westlichen Erzählung zum Einsturz bringt. Seit 2022 lautet das Mantra: Russland darf nicht siegen, die Ukraine muss gewinnen. Doch was, wenn genau das längst passiert ist – nur keiner den Mut hat, es auszusprechen? Wenn die „regelbasierte Weltordnung“ dort an ihre Grenzen stößt, wo Realität und Ideologie aufeinandertreffen?
Je länger der Krieg dauert, desto klarer wird, dass die Ukraine geopolitisch zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkriegs degradiert wurde – und der Westen nicht mehr weiß, wie er aus diesem Desaster herauskommt, ohne das Gesicht zu verlieren. Crosettos Worte sind ein unbeabsichtigtes Eingeständnis dessen, was die Eliten in Brüssel und Washington seit Langem ahnen: Der Preis für ihre moralische Selbstgerechtigkeit ist ein zerstörtes Land, eine verlorene Generation und ein sich festsetzender Konflikt mitten in Europa.
In Rom hat man offenbar genug von dieser Pose der Selbsttäuschung. Man erkennt, dass Diplomatie keine Schwäche ist, sondern das letzte Mittel, um weiteren Schaden abzuwenden. In Berlin hingegen wird man Crosettos Worte wohl überhören – man lebt dort lieber im moralischen Rausch. Doch wie lange noch? Wenn selbst NATO-Minister beginnen, das Offensichtliche auszusprechen, dann ist das Ende der großen Ukraine-Erzählung nicht mehr fern.


Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *