Es ist ein Schauspiel der Extraklasse, das wir derzeit in den österreichischen Qualitätsmedien beobachten dürfen: Kaum bekommt ein Medium wie der Express eine Förderung von knapp 40.000 Euro, bricht in den Redaktionsstuben von Falter und Co. der helle Aufruhr aus. Plötzlich ist die "Qualität" in Gefahr, plötzlich wird das Abendland am Boulevard-Kiosk verteidigt. Doch der Blick auf die nackten Zahlen entlarvt diese Entrüstung als das, was sie ist: Heuchelei, analysiert Bernhard Heinlzmeier treffend.
Während sich der Herausgeber des Falter auf seinem Anwesen in Ruhe über den Zustand des Landes auslässt, fließen Millionen an Werbegeldern und Förderungen in die Taschen genau jener, die sich heute als die alleinigen Wächter des guten Geschmacks und der journalistischen Moral aufspielen. Es ist ein System der feudalen Subventionierung, bei dem der Adel das Geld einsammelt und der Bauer den Beifall klatschen soll.
Das feudale Feindbild: Wenn der Falter den Boulevard exorziert
Heinlzmeier kritisiert den Falter-Herausgeber, der sich vom hohen Roß seines Schlosses aus über die "Gefahr" einer Gegenaufklärung durch Boulevardmedien auslässt. Es offenbare damit vor allem ein tiefsitzendes Klassenbewusstsein. Alles, was nicht in das linksliberale Weltbild passt, wird als "dunkle Seite" Österreichs stigmatisiert. Es ist eine Kultur des Exorzismus, die hier praktiziert wird: Man diskreditiert den Express oder die Kronenzeitung nicht mit Argumenten, sondern durch die Dämonisierung des Kontrahenten.
Wer nicht mit der Gesinnung der Falter-Elite konform geht, der gehört zum Bösen. Historische Vergleiche – vom Faschismus bis hin zur Wehrmacht – werden wie Vokabeln in einem billigen Taschenbuch wahllos herumgeschleudert. Es geht nicht um Wahrheit, es geht darum, den Gegner sozial zu vernichten.
Dieses Verhalten ist symptomatisch für ein Medium, das seinen Anspruch auf Objektivität längst an der Garderobe abgegeben hat. Anstatt sich in einen vernünftigen Diskurs zu begeben, wird mit dem Vokabular des moralischen Überlegenheitsgefühls agiert. Man definiert "Qualität" heute nicht mehr durch journalistische Leistung oder kritische Distanz zum Staat, sondern durch die richtige politische Korrektheit. Wer diesen moralischen Filter nicht passiert, der wird ausgegrenzt, belächelt oder direkt mundtot gemacht – so, wie es beim Exxpress und anderen Medien regelmäßig versucht wird.
Die Waffe der Moral: Triumph der Gesinnung über die Vernunft
Hermann Lübbe hat diesen Zustand bereits als "politischen Moralismus" entlarvt: Den Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft. Das moralische Argument wird zur Waffe, um jede Form von Vernunft im Keim zu ersticken. Wer eine kontrollierte Migrationspolitik fordert, ist laut diesem Vokabular sofort ein "Nazi" oder ein "Fascho". Diese Begriffe sind leere Signifikanten, deren einziger Zweck es ist, die Debatte zu beenden.
Die Moralprediger unserer Zeit sind jedoch selbst die größten Heuchler: Sie stellen Moralmaßstäbe auf, die sie selbst nie erreichen könnten. Die Selbstunterdrückung, die man bei linken Journalisten beobachten kann, ist eine Farce. Sie wettern gegen das System, solange die staatliche Finanzierung stimmt, und sie predigen Menschlichkeit, solange die eigene Ideologie geschont bleibt.
Aufklärung als Unterdrückung: Vom Ausgang aus der Mündigkeit
Was heute unter dem Deckmantel der "Aufklärung" firmiert, ist in Wahrheit deren degenerierte Form. Adorno und Horkheimer haben es in ihrer "Dialektik der Aufklärung" bereits präzise beschrieben: Wenn die Aufklärung aufhört, über ihre eigenen Ziele zu reflektieren, wird sie repressiv. Sie wird zum Machtinstrument der Eliten. Ob Zwangsimpfung, Kriegspolitik oder Gender-Ideologie – alles wird im Namen der "Aufklärung" durchgedrückt, während kritische Stimmen zensiert oder, wie wir es im ORF regelmäßig erleben, einfach herausgeschnitten werden, so Heinzlmeier vom Exxpress.
Diese Form der verordneten Aufklärung hat nichts mehr mit dem selbständigen Individuum zu tun, das Kant einst forderte. Sie ist das Gegenteil von Mündigkeit. Die heute herrschende Politik und ihre medialen Adjutanten betreiben einen Nihilismus, in dem Werte verloren gehen und nur noch die Macht zählt – Adorno nannte dies die "Rackets". Politik wird zum Selbstzweck derer, die ihre Vorteile sichern müssen. Wer sich diesem Diktat entgegenstellt, wird als "gegenaufklärerisch" gebrandmarkt, obwohl er in Wirklichkeit nur den Mut hat, selbst zu denken.
Die Medien-Katastrophe: Ein elitäres Feudalwesen
Die Einstellung von Zeitungen wie der Wiener Zeitung wird als "Medien-Katastrophe" bezeichnet, obwohl keiner sie las. Es ist das Verständnis einer elitären Gemeinschaft, die sich über dem Volk stehend betrachtet und vom Gemeinwesen die Finanzierung verlangt, obwohl sie die Masse des Volkes in keiner Weise erreicht. Es ist ein modernes, feudales Mäzenatentum, das mit dem Gemeinwohl nichts zu tun hat.
Heinzlmeier weiter über den Falter: "Der Falter hat sich von einer einst interessanten Diskursplattform zu einer Moralinstitution gewandelt, die wöchentlich ihr Urteil über die Gesellschaft spricht. Viktor Klemperers Analysen der Sprache des Dritten Reiches – insbesondere der Gebrauch von ironischen Anführungszeichen zur Herabwürdigung von Gegnern – lassen grüßen. Wer die Moral so hoch hängt, dass sie niemand erreichen kann, der läuft zwangsläufig unter der Latte durch. Es wird Zeit, diesen moralischen Überbau zu zertrümmern und Platz für einen Diskurs zu schaffen, den das Volk und nicht die Schlossherren in Wien und Niederösterreich bestimmt."
Contra24 kann sich dem nur anschließen.
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