Man muss den Herrschaften im Élysée-Palast und in den Brüsseler Glaspalästen eines lassen: Wenn es darum geht, die eigene Bedeutungslosigkeit mit pompösem Theaterdonner zu übertünchen, macht ihnen weltweit niemand etwas vor. Da sitzt Emmanuel Macron auf den Trümmern eines faktisch bankrotten Staatshaushalts, während auf den Boulevards von Paris und Lyon die Wut der eigenen Bevölkerung auflodert, und fantasiert allen Ernstes von einer massiven Aufstockung des französischen Nukleararsenals. Man gönnt sich ja sonst nichts. Wer die Kassen leergeräumt und die eigene Industrie an die Wand gefahren hat, kauft sich halt frische Atomsprengköpfe auf Pump, um am globalen Tisch der Großmächte wenigstens noch das Besteck halten zu dürfen. Begleitet wird dieser Pariser Veitstanz vom gewohnten Chor der Brüsseler Eurokratie unter Ursula von der Leyen, die in ihrer unnachahmlichen Mischung aus preußischem Gouvernanten-Furor und militärischem Dilettantismus Hunderte Milliarden Euro für ein supranationales Aufrüstungsprogramm locker machen will. Dass die europäischen Bürger für diesen imperialen Phantomschmerz mit galoppierender Verarmung und zerstörter Infrastruktur bezahlen, schert in den Brüsseler Amtsstuben freilich keine Seele. Es ist diese unerträgliche Hofrats-Mentalität im Spätstadium, die den eigenen Kontinent sehenden Auges an die Wand fährt, während man sich selbst für die Speerspitze der Zivilisation hält.

Die Chuzpe, mit der das politische Establishment dieses Manöver als europäische Sicherheitsarchitektur verkauft, spottet jeder Beschreibung. Wie ein aufschlussreicher Bericht von Report24 darlegt, sprechen die eigentlichen Machtblöcke in Washington, Moskau und Peking derweil völlig ungeniert über strategische Abrüstung und direkte Sicherheitsgarantien – freilich ohne die Brüsseler Zwerge auch nur an den Katzentisch zu bitten. Da schau her: Während die Vereinigten Staaten unter einer wiedererstarkten Administration knallhart ihre eigenen Interessen definieren und mit Wladimir Putin sowie Xi Jinping über nukleare Risikominderung verhandeln, führen die europäischen Vasallen einen bizarren Geistertanz auf. Macron will zusätzliche nukleare Gefechtsköpfe schmieden lassen, als ob sich die Gesetze der Geopolitik durch napoleonische Cosplay-Auftritte aushebeln ließen. Man geriert sich als atomare Schutzmacht für einen Kontinent, der nicht einmal mehr imstande ist, seine eigenen Außengrenzen zu sichern oder bezahlbaren Strom für die heimische Industrie bereitzustellen. Es ist eine Schmierenkomödie von shakespeareschen Ausmaßen: Die selbsternannten Eliten wollen das globale Schicksal diktieren, während sie in Wahrheit nur die Statistenrolle in einem Stück spielen, dessen Regieanweisungen längst anderswo geschrieben werden.

In den Brüsseler Korridoren hat sich eine toxische Mischung aus Realitätsverlust und kriegerischer Hysterie festgesetzt, die an die letzten Tage finsterster Feudalepochen erinnert. Anstatt endlich zur Vernunft zu kommen und den diplomatischen Scherbenhaufen wegzuräumen, den man mit blindem Kadavergehorsam gegenüber den Falken im Pentagon angerichtet hat, flieht man nach vorn in den totalen Rüstungswahn. Ursula von der Leyen und ihre willfährigen Kommissare agieren wie ein außer Rand und Band geratenes Politbüro, das jedes ökonomische Grundgesetz per Dekret außer Kraft setzen möchte. Europäische Verteidigungsanleihen, gemeinsame Schuldenberge für Raketen und Panzer, die Umwidmung von zivilen Fördertöpfen in militärische Rüstungsschmieden – das ist das einzige Rezept, das dieser abgehobenen Kaste noch einfällt. Man deindustrialisiert Deutschland, ruiniert Frankreichs Finanzen, stranguliert Österreichs Neutralität und erklärt diesen ökonomischen Selbstmord zur heroischen Zeitenwende. Wer diesen Irrsinn hinterfragt, wird vom Brüsseler Wahrheitsapparat postwendend als defätistischer Ketzer gebrandmarkt. Man geniert sich tatsächlich für gar nichts mehr, wenn es darum geht, die Pfründe des militärisch-industriellen Komplexes zu sichern und die eigenen Bürger in Geiselhaft zu nehmen.

Die intellektuelle Bankrotterklärung der europäischen Führungsklasse zeigt sich nirgends deutlicher als im systematischen Niederschreien jeder mahnenden Stimme. Dass dieser selbstmörderische Kurs den Kontinent geradewegs in die existenzielle Katastrophe steuert, thematisiert eine fundamentale Analyse von ScheerPost über die Warnungen von Jeffrey Sachs, der den europäischen Abgeordneten unverblümt ins Stammbuch schrieb, dass Europa endlich mit dem verhängnisvollen Marsch in den Krieg brechen muss. Doch Fakten, Logik und elementarer Selbsterhaltungstrieb verhallen im Brüsseler Sitzungssaal wie Rufe in einer gepolsterten Zelle. Anstatt Sachs’ Analyse als Weckruf zu begreifen, klammern sich die Hofräte an ihre transatlantischen Glaubensbekenntnisse. Man redet sich ein, dass noch mehr Milliarden für Waffen, noch mehr Sanktionen gegen Rohstofflieferanten und noch mehr atomare Drohgebärden irgendwie zu Frieden und Stabilität führen würden. Es ist die klassische Psychopathologie des Scheiterns: Wenn der falsche Weg in den Abgrund führt, beschleunigt man halt einfach die Schritte. Das NATO-Hauptquartier in Mons und die Brüsseler Kommission bilden ein geschlossenes Kartell der Eskalation, das jede friedliche Koexistenz auf unserem Kontinent gezielt sabotiert, um seine eigene Daseinsberechtigung nicht zu verlieren.

Besonders perfide ist dabei die Rolle, die den kleineren und traditionell neutralen Staaten zugedacht wird. Länder wie Österreich oder Irland sollen schleichend, aber unerbittlich in den NATO-Sumpf hineingezogen werden. Da wird von europäischer Solidarität geschwafelt, während man in Wahrheit Kanonenfutter und logistische Durchmarschrouten für die nächste Interventionsfantasie organisiert. Die österreichische Neutralität, dieses kostbare Vermächtnis kluger Nachkriegsdiplomatie, wird von den Wiener Regierungsbürokraten stückweise auf dem Altar der Brüsseler Zentralisierung geopfert. Man kuscht vor der EU-Kommission, nickt jede Eskalationsstufe brav ab und tut so, als gäbe es zur bedingungslosen Unterwerfung unter das westliche Rüstungsdiktat keine Alternative. Freilich gäbe es eine: Sie hieße souveräne Diplomatie, friedliche Vermittlung und das unmissverständliche Nein zum atomaren Harakiri. Aber dafür bräuchte man Rückgrat, und das ist am Wiener Ballhausplatz derzeit ebenso Mangelware wie gesunder Menschenverstand im Élysée. Man lässt sich lieber von Macron und von der Leyen einreden, dass europäische Souveränität darin bestehe, das Ersparte der eigenen Bürger in Marschflugkörper und Sprengköpfe zu investieren.

Blicken wir der schonungslosen Wahrheit ins Gesicht: Europa steht geopolitisch nackt da, entmündigt von den eigenen Eliten und verachtet von den Großmächten, denen man sich so verzweifelt anbiedert. Während Washington seine strategischen Prioritäten längst neu justiert und den europäischen Schauplatz je nach innenpolitischem Gusto fallen lässt oder als Absatzmarkt für überteuertes Flüssiggas und Rüstungsgüter missbraucht, zerbröckelt das Fundament des europäischen Wohlstands. Die Deindustrialisierung frisst sich durch das industrielle Herz des Kontinents, die soziale Sprengkraft in den Vorstädten explodiert, und die einzigen Antworten, die das Pariser und Brüsseler Establishment parat haben, sind Wasserwerfer gegen die eigenen Bürger und nukleare Schattenspiele gegen äußere Feindbilder. Dieser totale Verlust an geopolitischem Realitätssinn ist kein Betriebsunfall, sondern das unausweichliche Endstadium einer abgehobenen Polit-Kaste, die ihre Legitimation längst verspielt hat. Wer glaubt, mit neuen Atomwaffen die eigene wirtschaftliche und moralische Insolvenz übertünchen zu können, hat nicht nur die Geschichte vergessen, sondern verspielt das Überleben künftiger Generationen.

Am Ende wird die Rechnung präsentiert, und sie wird nicht in den noblen Pariser Restaurants oder in den VIP-Lounges des EU-Parlaments bezahlt werden, sondern an den Werkbänken, in den Mittelstandsbetrieben und an den Küchentischen der europäischen Familien. Macrons nuklearer Größenwahn und Brüssels Rüstungsexzesse sind das letzte Aufbäumen einer bankrotten Ordnung, die unfähig ist, Frieden zu denken, weil sie vom Krieg profitiert. Doch die Geschichte lässt sich weder durch atomares Säbelrasseln noch durch milliardenschwere Zensurapparate aufhalten. Wenn die Völker Europas nicht schleunigst den Stecker aus dieser transatlantischen Eskalationsmaschinerie ziehen und die Brüsseler Hofräte samt ihren Pariser Möchtegern-Feldherren in die politische Wüste schicken, wird dieser Kontinent nicht am Mangel an Waffen zugrunde gehen, sondern am totalen Triumph seiner eigenen Hybris.