Man muss der bundesdeutschen Politik eines lassen: Wenn es darum geht, sich vor laufender Kamera mit heiligem Schauder bis auf die Knochen zu blamieren, liefert sie zuverlässig weltmeisterliche Vorstellungen ab. Da tritt ein wackerer Volksvertreter im baden-württembergischen Landtag an das Rednerpult, die Stimme bedeutungsschwanger vibrierend, der Blick fest auf die moralische Ewigkeit gerichtet, und zitiert mit bebender Empörung aus Papieren, die ihm anonyme Wohltäter zugespielt haben. Große Männer wie Adolf Hitler seien da gepriesen worden, ruft der Herr Abgeordnete in den Plenarsaal, auf dass den Anwesenden das Blut in den Adern gefriere und das nächste Verbotsverfahren schon vor der Mittagspause eingetütet werden könne. Dass der angebliche Absender, ein Funktionär der ungeliebten Konkurrenz, diesen Text nachweisbar nie verfasst hat, störte die feierliche Exekution nicht im Geringsten. Hauptsache, das Ressentiment dampft und die Kamera läuft.

Die Verführungskraft eines echten, handfesten Skandals ist in Zeiten allgemeiner politischer Auszehrung einfach zu groß, als dass man sich mit lästigen Petessen wie Quellenschutz, Echtheitsprüfungen oder der schlichten Vernunft aufhalten wollte. Ein dubioser Datenberg aus kriminellen Hackerangriffen wird ins digitale Schaufenster gestellt, und das Establishment stürzt sich darauf wie ausgehungerte Hyänen auf ein frisches Aas. Jahrelang hat man den Bürgern gepredigt, wie brandgefährlich Falschinformationen im Netz seien, hat Sonderkommissionen gegründet, Meldestellen finanziert und Zensurgesetze geschmiedet, um das Volk vor Schwindeleien zu bewahren. Doch sobald die Fälschung ins eigene Weltbild passt wie der Maßanzug zur Gala, werden alle mühsam errichteten Brandschutzmauern des kritischen Verstandes mit einem freudigen Jauchzen eingerissen.

Wie grotesk die Chose abläuft, zeigt der parlamentarische Eifer im Südwesten. Wie Apollo News berichtet, trug der christdemokratische Abgeordnete die dreiste Fabrikation ungerührt im Plenum vor, offenbar ohne auch nur fünf Minuten darauf verschwendet zu haben, den Ursprung dieser bizarren Zeilen zu hinterfragen. Der Trieb, dem politischen Feind den ultimativen Vernichtungsschlag zu versetzen, schaltet jedes neuronale Frühwarnsystem zuverlässig ab. Wenn die Wirklichkeit den ersehnten Totalausfall des Gegners nicht frei Haus liefert, dann bedient man sich eben ungeniert bei anonymen Fälscherwerkstätten. Das ist nicht nur peinlich, es grenzt an ein politisches Armutszeugnis, das man früher wohlwollend als Realsatire verbucht hätte, heute aber als gängiges Regierungshandwerk bestaunen darf.

Dabei ist dieser Vorfall beileibe kein isolierter Ausrutscher eines übermüdeten Hinterbänklers. Der Drang, Fälschungen zur staatstragenden Wahrheit aufzublasen, zieht sich mittlerweile quer durch das gesamte parteipolitische Kartell. Wie Recherchen der Jungen Freiheit belegen, griffen Funktionäre von CDU, SPD und Grünen gleichermaßen begierig nach erfundenen Zitaten, teilten sie auf ihren Kanälen und nutzten sie für parlamentarische Brandreden. Niemand fragte nach Metadaten, niemand nach kryptografischen Signaturen. Der Pawlow’sche Reflex funktionierte fehlerfrei: Reizwort Adolf, Aufschrei, moralische Selbstüberhöhung. Man zimmert sich seine eigene Wirklichkeit zurecht, und wer Zweifel anmeldet, wird vorsorglich des Mangels an demokratischer Gesinnung bezichtigt.

Der absolute Höhepunkt dieser Posse gebührt jedoch den hofierenden Chronisten unserer sogenannten Leitmedien, die dieses Spektakel mit einer Mischung aus serviler Begeisterung und peinlicher Ahnungslosigkeit begleiteten. Jene Edelfedern, die bei jeder abweichenden Meinung sofort mit gespitztem Zeigefinger vor „hybrider Kriegsführung“ warnen und sich in hochdotierten Faktenchecker-Runden gegenseitig auf die Schultern klopfen, fraßen die plumpe Ente mit Haut und Federn. Kein bohrendes Nachhaken, keine journalistische Skepsis, kein Hauch von Berufsreife – stattdessen assistierten die Leitartikler dem parlamentarischen Schauprozess als willige Resonanzverstärker. Man suhlt sich eben gar zu gerne im vertrauten Gruseln vor der Vergangenheit, weil es von der eigenen intellektuellen Verarmung und dem Versagen bei den echten Problemen des Landes so wunderbar ablenkt.

Es offenbart sich hier eine gefährliche psychologische Deformation der politischen Klasse. Der Hass auf den Widersacher ist derart obsessiv geworden, dass jede noch so absurde Lüge als willkommene Bestätigung der eigenen Vorurteile gefeiert wird. Wer die Welt nur noch in Heilige und Verdammte einteilt, verliert die Fähigkeit zur Differenzierung. Er merkt nicht einmal mehr, wie lächerlich er wirkt, wenn er mit zitternden Händen gefälschte Pamphlete in Fernsehkameras hält. Es ist die Logik der Inquisition: Hauptsache, die Ketzer brennen, die Beweislage regelt der Glaube. Man bekämpft angebliche Desinformation, indem man die eigene Falschmeldung zur Staatsdoktrin erhebt.

Am Ende bleibt von dem großen Donnerhall nur ein schales Gefühl der Verachtung zurück. Die selbsternannten Verteidiger der Aufklärung haben demonstriert, dass ihnen kein Schmutz zu dreckig und keine Fälschung zu plump ist, solange sie dem Machterhalt dient. Wer derart bereitwillig auf digitale Taschenspielertricks hereinfällt, disqualifiziert sich nicht nur für die parlamentarische Debatte, sondern entlarvt vor allem die eigene grenzenlose Verzweiflung. Wer für seinen aufrechten Gang gefälschte Krücken benötigt, bricht unweigerlich zusammen, sobald das Licht angeknipst wird.