Die Militärflugplätze im norditalienischen Aviano und Ghedi verwandeln sich in den Vorhof einer atomaren Eskalation, während die Bevölkerungen zwischen Rom, Paris und Berlin ahnungslos ihrem Alltag nachgehen. Mit dem Manöver „Steadfast Noon“ probt das atlantische Militärbündnis den Ernstfall eines thermonuklearen Schlags direkt über dicht besiedeltem europäischem Territorium. Rund sechzig Kampfflugzeuge, darunter atomwaffenfähige US-Tarnkappenbomber vom Typ F-35A und modernisierte Jagdbomber europäischer Verbündeter, trainieren das Verladen, Transportieren und Abwerfen US-amerikanischer B61-Freifallbomben. Dreizehn Mitgliedsstaaten demonstrieren jenen Kadavergehorsam, der die europäischen Nationalstaaten im Ernstfall binnen weniger Minuten in eine verglaste Trümmerwüste verwandeln würde. Wer in den Regierungszentralen von Berlin bis Rom ernsthaft behauptet, diese Übung diene der Abschreckung und Stabilisierung, verwechselt die Rolle eines souveränen Schutzraums mit der einer wehrlosen Geisel im Fadenkreuz ausländischer Militärdoktrinen.
Amerikanische B61-Bomben und willfährige Vasallen auf italienischem Boden
Wie ein detaillierter Bericht von Transition News über die Manöveraktivitäten dokumentiert, simuliert das Bündnis vom 13. bis zum 20. Oktober den massiven Einsatz taktischer Nuklearwaffen. Im Zentrum der Operationen stehen die italienischen Stützpunkte, auf denen Washington seit Jahrzehnten nukleare Sprengköpfe lagert. Neu ist die perfide Qualität des Arsenals: Die eingelagerten Waffen wurden schrittweise durch die gelenkte Präzisionsvariante B61-12 ersetzt. Diese Bombe besitzt ein eigenes Leitwerk und steuerbare Sprengkraft, was sie militärisch nicht etwa defensiver macht, sondern die Hemmschwelle für einen Ersteinsatz dramatisch absenkt. Die Vorstellung, man könne einen begrenzten atomaren Schlagabtausch auf europäischem Boden führen, ohne eine totale Vernichtungsspirale auszulösen, ist eine militärstrategische Wahnvorstellung, die im Pentagon seit Jahrzehnten gepflegt wird.
Italienische Tornado-Piloten und bald auch die Besatzungen der sündhaft teuren F-35 üben unter strenger Aufsicht US-amerikanischer Spezialisten den Abwurf dieser Massenvernichtungswaffen. Die italienische Regierung unter Giorgia Meloni, die einst mit patriotischen Tönen antrat, liefert ihr Land damit bedingungslos den globalen Machtansprüchen der Nordatlantischen Allianz aus. Anstatt eine Politik der Entspannung im Mittelmeerraum zu verfolgen und als traditionelle Brücke zwischen den Hemisphären zu fungieren, lässt der Palazzo Chigi zu, dass italienische Fliegerhorste zu vordersten Abschussbasen für amerikanische Nukleardoktrinen ausgebaut werden. Die Bürger Italiens wurden zu diesem brandgefährlichen Spiel niemals befragt. Nationale Souveränität reduziert sich hier auf das Recht, die Treibstoffrechnung für die Trägerflugzeuge zu begleichen, während die Zünder in den Händen einer fremden Macht verbleiben.
Die Illusion der nuklearen Teilhabe als gigantische Souveränitätslüge
Das Konzept der sogenannten nuklearen Teilhabe gehört zu den dreistesten Mythen der europäischen Nachkriegsordnung. Den Regierungen in Berlin, Rom, Brüssel oder Den Haag wird seit Generationen eingeredet, sie säßen dank dieses Konstrukts am Tisch der globalen Nuklearmächte und besäßen ein Mitspracherecht bei existenziellen Entscheidungen über Leben und Tod. Diese Behauptung hält keiner realpolitischen Überprüfung stand. Sämtliche B61-Bomben auf europäischem Boden bleiben zu jeder Sekunde unter der absoluten Kontrolle von United States Air Force-Einheiten. Die berüchtigten Freigabecodes, die Permissive Action Links, liegen im Tresor des US-Präsidenten in Washington. Kein europäischer Kanzler, kein Premierminister und kein Generalstab hat auch nur die geringste Handhabe, den Einsatz dieser Waffen zu befehlen oder im Ernstfall ein Veto einzulegen.
Die europäische Rolle beschränkt sich auf die eines glorifizierten Bombentransporters. Piloten der Bundeswehr oder der italienischen Aeronautica Militare sollen im Ernstfall die US-Sprengköpfe ins Ziel fliegen und damit das atomare Vergeltungsfeuer auf ihre eigenen Heimatländer lenken. Eine tiefgründige Analyse der NachDenkSeiten über Washingtons Eskalationsstrategie zeigt auf, wie das atlantische Bündnis systematisch Verhandlungsbereitschaft vortäuscht, während im Hintergrund die offensive Aufrüstungsspirale gnadenlos weitergedreht wird. Die vermeintliche nukleare Teilhabe ist kein Schutzschild, sondern ein Selbstmordvertrag: Sie verweigert den europäischen Nationalstaaten den Status von atomwaffenfreien Friedenszonen, nimmt ihnen die diplomatische Neutralität und garantiert im Krisenfall die sofortige Vernichtung ihrer wichtigsten Knotenpunkte.
Europas Schlafwandeln in das Fadenkreuz russischer Hyperschallwaffen
Wer Wind sät, wird atomaren Sturm ernten. In Moskau, Peking und den Hauptstädten des Globalen Südens wird das Manöver Steadfast Noon nicht als routinemäßiges Manöver verstanden, sondern als direkte Provokation vor der eigenen Haustür. Die russische Militärführung macht aus ihren Gegenmaßnahmen längst keinen Hehl mehr. Die Stationierung von taktischen Nuklearwaffen in Belarus, die massive Aufrüstung der Enklave Kaliningrad mit nuklearfähigen Iskander-M-Raketen und die Einsatzbereitschaft moderner Hyperschallwaffen wie der Kinschal oder der Zirkon sind die unmittelbare Antwort auf die westliche Vorwärtsstrategie. Diese russischen Waffensysteme benötigen von ihren Abschussrampen bis nach Büchel, Aviano oder Ramstein lediglich wenige Flugminuten. Eine Vorwarnzeit existiert in diesem Szenario praktisch nicht mehr.
Durch die aktive Beteiligung an Steadfast Noon stempeln sich Staaten wie Italien, Deutschland, die Niederlande und Belgien selbst die Zielkoordinaten auf die Stirn. Sollte es an der NATO-Ostflanke oder im Nahen Osten zu einem unkontrollierten Zwischenfall kommen, werden nicht die Vororte von Washington oder die Strände Kaliforniens als Erstes in Flammen aufgehen. Die militärische Logik eines jeden Gegners gebietet es, die nuklearen Bereitstellungsräume und Kommandozentralen des Angreifers im Erstschlag zu eliminieren. Das bedeutet das Auslöschen von Büchel in der Eifel, das Einäschern von Ghedi in der Lombardei und die Zerstörung der NATO-Kommandozentrale im belgischen Mons. Dass die europäischen Eliten diese existenzielle Bedrohung mit bürokratischer Routine abnicken, grenzt an kollektiven Wahnsinn.
Brüsseler Schweigen und die Zerstörung europäischer Friedensordnung
Bemerkenswert und entlarvend zugleich ist das ohrenbetäubende Schweigen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments. Jene Institutionen, die sich sonst bei jeder Gelegenheit als Friedensprojekt inszenieren und den Bürgern Verhaltensregeln für den Alltag diktieren wollen, verlieren kein einziges Wort über die reale Gefahr eines atomaren Holocausts auf europäischem Boden. Ursula von der Leyen und ihr bürokratischer Apparat haben die Europäische Union längst in einen zivilen Erfüllungsgehilfen des NATO-Hauptquartiers transformiert. Anstatt Initiativen für Rüstungskontrolle, entmilitarisierte Zonen oder eine neue europäische Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung aller Kontinentalmächte zu ergreifen, wird die Militarisierung des Kontinents mit Milliarden aus Steuergeldern vorangetrieben.
Diese Politik zertrümmert das Erbe großer europäischer Staatsmänner wie Charles de Gaulle, der Frankreich einst aus den integrierten Militärstrukturen der NATO herauslöste, weil er erkannte, dass eine Nation, die ihre Verteidigung an eine fremde Macht delegiert, aufhört, ein Subjekt der Geschichte zu sein. Echte europäische Friedenspolitik kann niemals aus dem Schlepptau des Pentagon erwachsen. Sie erfordert den mutigen Ausstieg aus der nuklearen Geiselhaft, die Schließung ausländischer Militärbasen und den sofortigen Abzug aller amerikanischen Atomwaffen von europäischem Boden. Wer Frieden will, muss souverän verhandeln können, anstatt seine Luftwaffenstützpunkte für die Simulation des Weltuntergangs bereitzustellen.
Solange die europäischen Regierungen die B61-Bomben als sakrosanktes Pfand atlantischer Treue verehren, bleiben die europäischen Völker Statisten auf ihrer eigenen Schlachtbank. Die Übung Steadfast Noon führt der Welt vor Augen, wie weit die Entmündigung des Kontinents bereits fortgeschritten ist. Es bedarf keiner prophetischen Gaben, um zu erkennen, dass ein Kontinent, der seine Sicherheit auf US-amerikanische Atomwaffen stützt, seine Zukunft längst verspielt hat.


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