Das Gedächtnis des deutschen Fernsehpublikums ist kurz, die Dreistigkeit des politmedialen Personals hingegen grenzenlos. Man musste wahrlich kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass die einstigen Großinquisitoren der moralischen Hygiene nicht dauerhaft im akademischen Halbschatten verharren würden. Nun ist sie also wieder da: Alena Buyx, die unvergessene Vorsitzende des Deutschen Ethikrats aus den bleiernen Jahren des pandemischen Ausnahmezustands, betritt erneut das Parkett der öffentlich-rechtlichen Scheinwerfer. Mit jenem unverwechselbaren, pastoralen Tremolo und dem staatstragenden Lächeln, das einst Millionen Bürgern das schlechte Gewissen bis tief in die heimischen Wohnzimmer transportierte, doziert sie wieder über gesellschaftlichen Zusammenhalt und ethische Verantwortung. Es ist ein Schauspiel von monumentaler Schamlosigkeit, das dem Zuschauer den Atem verschlägt und zugleich das ganze Elend einer Republik vorführt, in der Amnesie als höchste Bürgertugend gehandelt wird.
Wer sich an die Amtszeit dieser Dame erinnert, erinnert sich an eine Epoche, in der die staatliche Fürsorge nahtlos in offene Schikane überging. Unter dem hehren Deckmantel der Ethik wurde damals nicht etwa die Macht kontrolliert oder die Würde des Individuums gegen übergriffige Ministerien verteidigt, sondern das genaue Gegenteil zelebriert. Der Ethikrat unter ihrer Ägide mutierte zur theologischen Begleitkapelle des Berliner Regierungsapparats. Grundrechte wurden zu befristeten Gnadenakten degradiert, die man sich durch Wohlverhalten und Impfpässe erst mühsam verdienen musste. Wer Zweifel an der alternativlosen Linie wagte, fand sich im Handumdrehen am Pranger der gesellschaftlichen Ächtung wieder. Man sprach von Pflicht, Solidarität und Nächstenliebe, meinte aber Unterwerfung, Ausgrenzung und die lückenlose Disziplinierung des abweichenden Bürgers. Dass ausgerechnet jene Chef-Legitimatorin des staatlichen Zwangs nun wieder als unbefleckte Vordenkerin hofiert wird, gleicht einer publizistischen Verhöhnung jedes Bürgers, der damals den Preis für diesen Tugendterror zahlte.
Wie Tichys Einblick über das TV-Comeback der einstigen Ethikrats-Chefin berichtet, wird die Rückkehr der Medizinethikerin auf den Bildschirm mit jener feierlichen Ehrfurcht inszeniert, die man sonst nur gekrönten Häuptern oder zurückgetretenen Päpsten zuteilwerden lässt. In den Talkshows von Mainz bis Köln wird das Vergangene nicht etwa schonungslos seziert, sondern mit weichgespülten Formulierungen diskret zur Seite gewischt. Keine einzige bohrende Frage stört die traute Harmonie. Niemand im Studio konfrontiert die Dame mit den psychischen Trümmerfeldern bei Kindern und Jugendlichen, den zahllosen isoliert gestorbenen Senioren oder den existenziellen Vernichtungen unbescholtener Bürger, deren Vergehen lediglich darin bestand, auf ihrer verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmung zu beharren. Stattdessen wird genickt, verständnisvoll gelächelt und so getan, als sei die rabiate Spaltung des Landes eine Art unvorhersehbares Naturereignis gewesen, für das niemand, am allerwenigsten die oberste Ethikerin des Landes, Verantwortung trüge.
Hier zeigt sich das peinliche Schönreden durch die Hofberichterstatter unserer sogenannten Qualitätspresse in seiner reinsten, abstoßendsten Vollendung. Die versammelten Edelfedern und Rundfunkfunktionäre, die damals im Gleichschritt die härtesten Repressalien herbeischrieben und Andersdenkende zu Volksschädlingen stempelten, befinden sich heute in einer grotesken Selbsthypnose. Man feiert Buyx nicht trotz, sondern wegen ihrer damaligen Gefälligkeit. Die Mainstream-Medien betreiben eine systematische Geschichtsklitterung: Was eine beispiellose Entgleisung autoritärer Willkür war, wird im Rückspiegel der Leitartikler zur heroischen Pflichterfüllung umgedeutet. Man habe es ja nur gut gemeint, man habe schließlich auf Sicht fahren müssen. Das Hofgesinde der vierten Gewalt fungiert als gigantische Reinigungsanlage, die peinliche Aktennotizen tilgt, Fehlprognosen vergräbt und den einstigen Stichwortgebern des Ausnahmezustands den Persilschein zur besten Sendezeit ausstellt. Journalismus verkommt dabei endgültig zur PR-Agentur einer moralisch bankrotten Nomenklatura.
Diese bequeme Verweigerung jeglicher Rechenschaft ist freilich kein deutsches Unikat, sondern die internationale Doktrin des globalen Krisenapparats. Dass globale Symbolfiguren wie Bill Gates oder Pfizer-Chef Albert Bourla vor dem niederländischen Bezirksgericht in Leeuwarden schlicht durch demonstratives Fernbleiben glänzen, wie Transition News über den dortigen Prozess dokumentiert, passt nahtlos in dieses globale Verhaltensmuster. Die Fürsten und Vollstrecker der verordneten Pandemiepolitik betrachten die Institutionen der Aufklärung, seien es Gerichte oder eine kritische Öffentlichkeit, bestenfalls als lästige Kulisse. Während man in Leeuwarden einfach nicht zur Verhandlung erscheint und darauf vertraut, dass Reichtum und juristische Winkelzüge die Fragen der Opfer ins Leere laufen lassen, wählt man in deutschen Medienhäusern die noch elegantere Variante: Man ignoriert das eigene Versagen nicht hinter dicken Anwaltsakten, sondern stellt sich frontal vor die Fernsehkamera und lässt sich vom staatlich alimentierten Klatschvolk für die eigene Gnade applaudieren.
Die Rückkehr von Alena Buyx markiert das endgültige Scheitern einer echten Aufarbeitung jener Jahre, in denen Grundrechte zu Verhandlungsmasse verkamen. Es ist die zynische Botschaft einer Kaste, die sich selbst für unfehlbar erklärt hat: Wer im Namen des vermeintlich Guten gehandelt hat, muss niemals um Verzeihung bitten, ganz gleich, wie viele Existenzen dabei unter die Räder geraten sind. Der Deutsche Ethikrat war unter ihrer Führung kein kritisches Korrektiv, sondern die Weihrauch schwenkende Vorhut einer übergriffigen Exekutive. Wenn dieselben Figuren heute wieder ungeniert den moralischen Zeigefinger heben, um über Einsamkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Gefahren des Populismus zu schwadronieren, ist das nicht nur unerträglich heuchlerisch – es entlarvt die Verachtung dieser Elite gegenüber der Mündigkeit der Bürger.
Die Verharmlosung der eigenen Vergangenheit ist die Voraussetzung für die nächste Übergriffigkeit. Wenn niemand für den Bruch elementarer Bürgerrechte zur Rechenschaft gezogen wird, wenn die Protagonisten der Ausgrenzung stattdessen mit Medienpreisen, Talkshowplätzen und Beraterverträgen überhäuft werden, dann ist das Drehbuch für die nächste Krise bereits geschrieben. Alena Buyx lächelt im Studio, die Kameras surren, und das Publikum soll vergessen, wer damals die Peitsche hielt. Doch wer dieses moralinsaure Comeback mitverfolgt, sollte sich eines unmissverständlich klarmachen: Diese Leute haben nichts bereut, nichts verstanden und rein gar nichts gelernt – außer der Gewissheit, dass man mit staatstragender Arroganz jedes noch so finstere Kapitel der eigenen Biografie in einen strahlenden Karriereschritt verwandeln kann.


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